Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

4l

einen schnellen, tiefen, richtig unterscheidenden Blick, der sichnicht leicht täuschen läßt. *)

Nur ein Mittel, oder vielmehr nur eine Kraft, giebt es,die, wie alle Aufgaben des Lebens, selbst die schwersten, soauch diese löset und die Lösung klar und rein hinstellt,Reinheit des Herzens, und die aus ihr entsprin-gende Wahrhaftigkeit des Charakters. Was diesebei dem hochseligen Könige im männlichen Ernste war undwirkte, das war und wirkte sie bei der verklärten Königinnin anmuthvoller weiblicher Unbefangenheit, und in die-ser erscheint Sie uns ganz und vollständig, wie Sie war;in diesem Einen Zuge erblicken wir Ihr individuelles Bildmit sprechender Aehnlichkeit.

") Das Charakteristische, Physiognomisch-Bezeichnende dabei istam Meisten ersichtlich und hörbar aus der plattdeutschen Volks-sprache, wenn der Bürger und Bauer den ungünstigen Ein-druck bezeichnen will, den ein hoher, vornehmer Herr auf ihngemacht hat. Von einem solchen heißt es z, B. in der Graf-schaft Mark, wenn er zwar freundlich nickt und spricht, aberdoch dabei sich stolz in die Brust wirst:

,,Hci moipet" (er setzt Minen auf),

Hei prämpct" (er macht sich prächtig),

Hei simileert" (er verstellt sich).

Ist dem wirklich also, gewiß, der gemeine Mann merkt'sund fühlt's heraus. Muß er einem solchen gegen seine Nei-gung (was oft in der Läutcrungsperiodc der Napoleon'schenZwing-Hcrrschaft der Fall war) äußerlich durch Entblößung desHauptes Ehrerbietung erweisen, so weigert er sich zwar dessennicht, aber dann hat er das naive Sprichwort zur Hand:Man kann einen Esel wol in't Watcr trievcn,aber nicht twingcn, dat he süpt."

Charakteristisch und lehrreich! Liebe und Gegenliebe ist dasFreicste und darum zugleich das Höchste unter und über derSonne.