und doch nur immer nach seiner Fahne hinsehend, den Man-tel wendend und drehend, je nachdem er sanft säuselt, oder
näher der Moment derselben rückte. Endlich ist er gekommen;der geliebte erwartete Erbprinz ist, gesund und glücklich zurück-gekehrt, wieder in der Residenz, und der gcsammtc Hof in al-len seinen Charge» Glück wünschend bereits um ihn versam-melt, als nun auch der Obcrhofprediger K. eintritt. Der edlebegeisterte Mann vergaß unglücklicherweise Ort, Zeit, Umge-bung und Sitte; vergaß den hohen Rang des gegenwärtigen unddes künftigen Landesherrn; nur allein folgend dem ungestümenAndränge seines liebenden Herzens, umarmt er, statt ehr-erbietig zu grüßen, den Erbprinzen mit lebendi-ger Innigkeit. Alles ist erstaunt und erschreckt; nein, einsolcher grober Verstoß gegen Hofes-Etiquette, eine solche an-maßende Vertraulichkeit konnte nicht vergeben werden! Von allenSeiten fliegen nun die Pfeile des Hohnes und Spottes; Allestadelt und klagt an. — Solcher Macht muß dann jedes Verdienstunterliegen; K. konnte sich nun nicht mehr halten, er wurde,wie auch treu verbundene Herze» bluten mochten, sehr baldentlassen, und weit entfernt von W.> doch ehrenvoll, als Profes-sor der Theologie in G. und dann später als erster Landcsgcist-lichcr in H. angestellt, wo er ruhmvoll, seinen Zeitgenossen liebund werth, seine merkwürdige Laufbahn schloß.
Ausschweifungen und sittliche Verirrungcn werden von derhohen vornehmen Welt eher übersehen und leichter vergessen,als Fehler der Klugheit, als Verstöße gegen Sitte und Etiquette.Allerdings soll man ihre herkömmlichen Formen, als die Trägereingeführter Ordnung und Unterordnung, mit Zartsin» ehren.Dem geraden, redlichen Man» wird das oft schwer; kann undwill er das aber nicht, nun dann gehört auch er nicht in solcheSphäre und wird in jeder andern sich freier, harmloser undglücklicher fühlen.
Selbst Napoleon, kein geborener, sondern ein gewordenerund gemachter Kaiser, wollte diese Hofcsformen rcspcctirt wis-sen, und die Verletzung derselben in seiner nächsten Umgebungstrafte er unerbittlich. Auf die Hinstcllung von Stühlen mitund ohne Lehnen bei Hofesfcstcn legte er einen großen Werth,und schnitt die Grenzen des Standes und Ranges scharf ab.