Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
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hende Bekannte, selbst Eheleute, bleiben sich ost fremd undverstehen sich nicht; im Homogenen zieht sie uns bci'm er-sten Blick an und knüpft in der Stunde der Bekanntschastdas süße Band des gegenseitigen Vertrauens für's ganzeLeben unauflöslich fest.

So war's dem Königlichen geweiheten Jüngling undThron-Erben, als Er die reizende fürstliche Jungfrau, soIhr, als Sie Ihn zum Erstenmal sah; mit dem ersten Blickbegegneten sich Ihre Herzen; Sie hatten sich gesunden,nach Ihrem späteren, ost vernommenen eigenen Geständnisse,sich gefunden, ehe Sie noch ein Wort miteinander gesprochen,und dieser An- und Einklang verwandter Herzen wurde undblieb die Harmonie, der Grundton Ihrer glücklichen Ehe.

Als diese glückliche, segensreiche Ehe im Jahre t8lt> durch denTod aufgelöst wurde, verschloß zwar der König, Seiner Eigen-thümlichkeit auch hier treu, den bittcrn Schmerz in tiefer Brust,und sprach in vermischter Umgebung über denselben fast nie,oder doch nur mit wenigen kurzen Worten, aber desto mehrwar es Ihm Bcdürfniß, das verwundete Herz denen zu öffnen,die Sein Vertrauen besaßen. Wchmüthigen Erinnerungen hin-gegeben, gedachte Er dann besonders gern des ersten, merkwür-digen und Ihm immer neu und frisch gebliebenen Eindruckes,welchen die Erkorene auf Ihn gemacht, als Er Sie zum Er-stenmale in Frankfurt gesehen; der Augenblick der neuen Be-kanntschaft sei zugleich auch der Moment der wechselseitigenZuneigung gewesen, und eine innere Stimme habe Ihm gesagt:

Die ist es, oder keine sonst auf Erden!"

Habe mal," fuhr Er dann fort,über diese wunderbare wech-selseitige Sympathie, in welcher verwandte Herzen sich gleich bei mersten Blick begegnen und finden, etwas sehr Schönes in Schillcr'sSchriften gelesen, wo treffend und wahr bezeichnet ist, wie mir undmeiner seligen Luise zu Muthe war, als wir uns zum Erstenmalsahen, und wie wir uns nachher oft bekannt haben. Es war