Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
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bung selbst zu reichen, wodurch Sympathie mit Unglücklichenund Gebeugten der Grundton Ihres zarten Gcmüthes wurde.Begabt mit einer reichen, schönen Phantasie, erhielt Ihr gan-zes Wesen die Lebendigkeit, welche gern Ideale schafft undin solchem stillen Nachhängen den Himmel findet. Wenndiese Stimmung und Richtung Ihr jenen höheren poetischenSchwung und idealischcn jungfräulichen Zauber gab, denman nur wahrnehmen und sehen, aber nicht beschreiben kann,so verlor Sie sich doch nicht in solchen Gebilden, vielmehrhielt die praktische Lebensweisheit Ihrer Großmutter undverständigen Erzicherinn Ihr stets den geraden Weg zurRückkehr in die wirkliche Welt offen, so daß Sie, entferntvon aller Sentimentalität, Klarheit und Wärme, Würde undAnmuth in jugendlicher Frische miteinander in sich verei-nigte: ein Deutsches blühcnde's Mädchen in Deutscher Sitte, damals die schönste Fürstentochtcr irr Deutschland.

So sah Sic zum Erstcnmale Friedrich Wilhelm III.,im März 1793 in Frankfurt a. M., Er damals 23, undSic 17 Jahre alt, als Sie mit Ihrer Schwester dem imLaufe des Krieges daselbst anwesenden Könige Friedrich Wil-helm II. vorgestellt wurde.

Es giebt in der geheimnißvollen Tiefe der Brust bci'mmännlichen und weiblichen Geschlechte ein sprechendes Gefühlder Innern Verwandtschaft, der Zuneigung, des Wohlgefal-lens, der anziehenden stillen Gewalt, welches, ohne daß manvorher sich gesehen und gesprochen hat, gleich bci'm ersten An-blick sich regt und geltend macht, und bei reinen Herzen inVerlegenheit, Schüchternheit und Schamröthc sich äußert.Kein Verstand und Scharfsinn hat dieß sympathetische Ge-

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