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Ihr Vater damals Gouverneur war, führte die Hand dergöttlichen Vorsehung Sie einen Lebens- und Bildungsweg,der ganz dazu geeignet war, die gesunden Keime einer reich-begabten Natur zur Entwickelung zu bringen und dieser dieReife und Färbung zu geben, welche Ihre erhabene, nie ge-ahnte Bestimmung verlangte. Schon in Ihrem sechstenJahre verlor Sie Ihre vortreffliche Mutter, — alt genug, umErinnerungen kindlicher Liebe und Dankbarkeit zu bewahrenund eine sauste Beimischung milder Wehmuth, den schönstenZug zarter Weiblichkeit, in Ihr Gcmüth aufzunehmen, unddoch noch zu jung, um dadurch den kindlichen Frohsinn ge-trübt zu sehen, durch Beides aber in eine Stimmung ge-bracht, die Heiterkeit und Ernst glücklich miteinander ver-band. Erzogen von Ihrer geistreichen, würdevollen Groß-mutter, der Landgräsinn zu Darmstadt; unterrichtet, gewecktund geübt von dem ganz dazu gemachten Fräulein von Wol-zogen, und später von dem Fräulein Gclieux aus der Schweiz,sammelte Sic in raschen Fortschritten alle die Kenntnisse inSprachen und Wissenschaften, welche eine nicht gewöhnlicheAusbildung verlangt, doch so, daß Sie dabei stets in dergemüthlichen weiblichen Sphäre erhalten wurde, und vorAllem die Häuslichkeit mit ihren stillen Kunstfertigkeiten undEinförmigkeiten liebgewann. So wuchs Sie, vor allen nach-theiligen Eindrücken bewahrt, in unbemerkter häuslicher Stilleauf, ohne Vcrgleichungcn anstellen und den Unfrieden dersel-ben in sich aufnehmen zu können, eine schöne Frühlingsblumeim Schmucke der Bescheidenheit und Unschuld, nicht wissend,was und wie Sie war und welche Schätze Sie in sich trug.Beschränkt in Geldmitteln, wurde Sic früh gelehrt und ge-wöhnt, zu sparen, und das mit Vcrsagung und Selbstver-leugnung Ersparte Armen und Leidenden mit froher Hinge-