Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
16
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und greller, als bei dem weiblichen Geschlecht in seiner Glo-rie auf der einen, in seiner grausenhasten Bersunkcnheit aufder andern Seite.

Alle christlichen Völker in allen Confessionen sprechen inder Kirche, in der Kunst und im täglichen Leben, den Na-men Madonna, meine Frau, die heilige Jungfrau, mit Ehr-furcht, Millionen anbetend aus, und will man das Schönsteund Reinste nennen, so nennt man es ein Madonnen-Bild.Aber neben diesem heiligen Namen steht auch auf der entge-gengesetzten Schattenseite der ebenso bekannte Name Xan-thippe, die ein unglückliches Geschick mit dem edlen Sokra-tes verbunden hatte, und vielleicht heißt daher die giftigeGelb- und Schwefel-Säure Xanthogcn-Säure, undnach der Medusa die brennende Nessel Medusenmeer-n e sse l. *) Wie es zur Bezeichnung der räthselhastcn Be-rührung der Extreme eine heilige Sieben giebt, so aucheine böse Sieben, in derselben seinen Analogie, nach wel-cher in der lateinischen Sprache dasselbe Wort sneimnr hei-lig heißt und auch verflucht. Seltsame, räthsclhafte Grenz-

*) Meduse, eine von den Töchtern des Gorgon, welche der Mi-nerva den Rang der Schönheit streitig machen wollte, wofürdiese ihr lockiges Haar in Schlangen verwandelte und ihrenAugen die furchtbare Kraft beilegte, Jeden, der sie ansah, inStein zu verwandeln (daher: der böse Blick). In diesemMythos liegt, wie in der ganzen Mythologie, eine sinnreichePcrsonification tiefer abstractcr psychologischer Wahrheiten, wiesie im wirklichen Leben in bald schwächeren, bald stärkerenZügen, bei den Menschen (hier bei'm weiblichen Geschlecht)sichtbar hervortreten. Zu dem, was die Erde Erschrecklicheshat, gehört vorzüglich der versteinernde Medusenblick eines bö-sen Weibes.