Was Er als Mann war, in Seiner ganzen eigenthümlichenPersönlichkeit, dasselbe war Sie als Frau, — Beide in voll-kommener Harmonie füreinander geschaffen. Vorzüge derSchönheit und Anmuth, des Geistes und des Herzens, dieman in der Regel vereinzelt und getheilt auch bei andernliebenswürdigen Frauen findet, doch so findet, daß jeder freu-digen Anerkennung gewöhnlich der Nachsatz folgt: Schade,daß noch der und der Vorzug fehlt! waren bei Ihr in einer,man kann sagen, bezaubernden Harmonie verbunden; — Siewar die schönste Frau, dem Körper und der Seele nach.
Als Zeuris, der größte Maler des Alterthums, ein Bildvollendeter Schönheit, eine Helena, malen wollte, fand er alleEigenschaften und Vorzüge derselben nicht in einer schönenGriechinn vereinigt, er mußte sie theilwcife von mehreren undverschiedenen zusammenlesen, das Entlehnte in Ein Bild ver-schmelzen, und so, begeistert von der Idee, sein Werk demIdeale möglichst nahe bringen. Das Urbild liegt indessenimmer in der Natur und nur sie allein schafft es. Aberbei allem ihrem wunderbaren Reichthume ist sie in der Ver-leihung ihrer schönsten Gaben dennoch haushälterisch undverleihet Einzelnen in der Regel nur Theile und Theilchen,selten in reicher Fülle das Ganze und Vollendete. Nachdiesem aber liegt in der Brust des veredelten Menschen einetiefe Sehnsucht: und darum umfließt die idealisirende Kunstein wunderbarer fesselnder Zauber. Wenn also in dieser Be-ziehung die Kunst die Natur ergänzen und das zerstreut undgetheilt Gegebene zusammendrängen und vereinigen und da-durch einen höhern Grad der Schönheit im Bilde hinstellenwill, so läßt sich die Natur doch nicht meistern und verbes-sern; denn sie allein gicbt und sie allein kann nur geben das,