34 Die Politik mi Unglück.
was mau auf 500000 Mark schätzte, zu verliere»; ciuHaus, was das prächtigste in der Stadt war, mit einemkleinen Stäbchen zu verwechseln; Equipage und Livree,wenn man von Jugend auf daran gewöhnt ist, nicht mehrzu haben; selbst die Stelle der Hausmagd und Kammer-jungfer vertreten zu müssen; sich von dem Vergnügen,in allen Gesellschaften zu glänzen, hundert Bewundrerund Anbeter um sich zu haben, und den Ton in allen Mo-den zu geben, plötzlich beraubt zu sehen . . . und diesenentsetzlichen Fall mit Klugheit und Standhaftigkeit zu er-tragen, sich in alle die traurigen Folgen desselben gelassenzu schicken, darinn einen neuen Much zu fassen, und derhämischen Freude aller Neiderinnen kein niederträchtigesOpfer zu bringen . . . wenn das keine Bewunderung ver-dient: so weis ich nicht mehr, was man bewundern soll.Des Tags vorher, wie der Bankerott ihres Mannes aus-brach, war sie noch in ihrem völligen Glänze bep mir;aber gestern besuchte sie mich in ihrem neuen Aufzuge,kam durch den tiefen Schnee zu Fuße, und hatte ihr wol-lenes Röckchen so aufgehoben, als wenn sie besorgt ge-wesen wäre, daß etwas daran verderben möchte. Ichhabe nicht ermangeln wollen, sagte sie zu mir, mich Ihnenzu empfehlen, und Sie zu ersuchen, nur einige Arbeit zugönnen, wenn Sie mich dazu tüchtig halten. Sie sagtedieses mit einem so freymüthigen und ungezwungenenAnstände, und redete von ihrem Unglücke mit so vielerMäßigung, daß ich ohne alle Besorgniß, sie zu kranken,ganz frep mit ihr darüber reden konnte. Wir philofo-phirten lange zusammen, ohne daß ihr eine bittere Klagegegen ihren Mann oder dessen Gläubiger entfiel Sie ließsich, sie ließ andern Gerechtigkeit wiederfahren, und dasmit so vieler Würde, daß ich es nicht wagen mochte,ihr einige Hülfe anzubieten. Aber beym Weggehen konnteich mich nicht enthalten, sie zu umarmen, und ihr insObr zu sagen: sie wäre eine recht stolze Frau. Das bin
ick-