Druckschrift 
1 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 1
Entstehung
Seite
358
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Allfl'.ttlntcruttg und Vorschlag zu einer westfä-lischen Biographie.

(^s ist unstreitig eine der größten und feinsten Ideen,daß Menschen, die ihre Tage in stiller Ausübung allerTugenden zugebracht haben, nach ihrem Tode von demOberhaupte derKirchen heilig und selig gesprochenwerden. Manner, welchem ihre Demuth im Leben nichtgestattete, nach einem glänzenden Ruhm zu streben, undsich entweder an der Spitze eines Heers oder am Ruderdes Staats in der Geschichte zu verewigen, erhalten aufdiese Weise auch ihr verdientes Ehrenmahl; und die Ver-götterung, womit Geschichrschreiver und Dichter ein sounerlaubtes als gefährliches Monopolium treiben, mußeiner Heiligsprechung weichen, welche nicht anders alsnach der strengsten Untersuchung und von einsichtsvollenRichtern geschiehet. Die glänzenden Tugenden oder La-ster, wie man sie nennen will, sind solchergestalt nicht dieeinzigen, welche der Nachwelt in der Geschichte zu Musternvoi gestellet werden ; die Menschen lernen dadurch einsehen,daß auch durch stille Tugenden ein ruhmvolles Andenkenzu erwerben sei); und nicht jedes Genie, das einen Berufempfindet, sich aus seiner Sphäre zu heben, wird in dieVersuchung gesetzt, sich sogleich durch die Anzündung ei-nes Tempels oder durch die Unterdrückung eines Nachku-ren zu verewigen.

Nichts könnte würklich einem Staate vortheilhafterseyn, als die Lebensbeschreibungen solcher Heiligen, wen»sie von einer geschickten Hand verfertiget, und solcherge-stalt den Frommen und Redlichen im Laude als Muster zurNachahmung vorgelegt würden. Hat gleich mancher Feh-ler, welcher sich nach dem unterschiedenen Eeschmacke der

Zeiten