Druckschrift 
1 (1804) Patriotische Phantasien, Th. 1
Entstehung
Seite
355
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der Colonisten ZLF

Als ich die Ehre hatte, Ihren Brief zu empfangen,riß mich erst der Strom ihrer Reden hin, und ich giengder Sache nachzudenken anfs Feld. Ich traf einen Bach-ern an, der Ellern um junge Eichen pflanzte. Was wolltihr doch, sagte er, mit dem fremden Volke anfangen, daswir haben holen müssen? Warum pflanzest du, fragte ich,so viel von dem Zeuge um die Telchen, die schon dicke ge-nug stehen, sie nehmen ihnen ja nur die Nahrung? Nein,sprach der Bauer, das hat keine Roth, die Eller nimmtnichts von dem, so der Eiche zukommt, sondern nur diesauren Säfte, so ihr schaden ; sie brütet und schützet aberdie Telchen und nähret sie durch ihr Laub, und sie ist einnutzbares Holz. Wohl, sprach ich, so wollen wir auchdie fremden Leute um euch pflanzen. Ich konnte dem gu-ten Bauren hiedurch leicht zum Schweigen bringen. Ih-nen aber gebe ich diese Vergleichung mit dem Nutzen derBevölkerung in seinem ganzen Umfang nnd in allen seinenTheilen nach Ihren Einsichten zu überlegen, und ich wet-te, daß Sie minder Widerwillen gegen die Colonisten em-pfinden werden, wenn Sie solches aufrichtig gethan haben.

Ist es endlich, mein Werthester, eine huldreiche Ge-sinnung unseres Monarchen, Fremde, die Ursache finden,sich über ihr Vaterland zu beklagen, aufzunehmen, so las-sen Sie es eine edle Bemühung ssür seineDiener seyn, ih-nen zu helfen. Und in dieser Absicht betrachten Sie dieganze Sache, als ein Glück für Deutschland.

Uebrigens muß Ihnen ein jeder beypflichten, daß dieBevölkerung durch Henerleute dem Genie der westfäli-schen Provinzen am gemäßesten sey, und ich habe michgefrcuet, Sie am Ende ihres Briefes wieder zu finden.Wir vernachläßigen dies so wenig, daß unsere Neubauerschon anfangen, Heuerleute anzusetzen. Leben Sie wohl!Minden, den zo. Iul. 5770.