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Schreiben an meinen
sehen hätte? Ich schwieg, und dachte, es ist noch nichtZeit. Wie aber das Kammermädchen eine eigne Ta-fel verlangte, und die kleine Magd, welche ihr zurAufwartung ist, nicht mit der Viehmagd essen wollte:so nahm ich endlich Gelegenheit, mit meiner jungenFrau darüber im Ernst zu philosophiren. Die heutigeErziehung der Töchter, bemerkte ich, ist zwar wirklichsehr gut: man giebt ihnen feinere Sitten, Gefchmackund Verstand; allein es ist auch eine nothwendige Folgedavon, daß die Haut auf der Zunge feiner, die Händeweicher, und alle Sinnen schwacher werden, als sichjene Fähigkeiten vermehren. Es ist eine sehr wahr-scheinliche Folge, daß der Verstand, welcher die Wis-senschaften kennet nnd liebet, sich nngern nut Erfah-rungen in der Küche abgeben werde ; und endlich mußdiejenige Tochter schon einen sehr großen Grad vonVernunft besitzen, welche bei) einem feinen Gefchmackund einer vorzüglichen Einsicht ihre edlem und zärtli-chem Glieder nicht in alle die krausen, gehackten, ge-zierten, frisieren und namenlosen Hüllen kleiden soll,wodurch jetzt so viele zu einer ordentlichen Hausarbeitungeschickt werden. Wann eine Person von vornehmenStande sich dergleichen erlaubt, so denkt man endlich,sie sey zum Müßiggange privilegirt; und die vorneh-men Hanshaltungen würden schon so lange mit Unord-nung geführet, daß man es geschehen lassen müsse.Bei) Menschen Gedenken hat man wenigstens kein Erem-pel, daß in einer adlichen Haushaltung etwas beträcht-liches erübrigt worden. Allein wenn der zweyte Rangdem ersten; der dritte dem zweyren, und der viertedem dritten in dieser komischen Rolle folgt: so muß diedavon abhängende Hanshaltung zuletzt jene Wendungauch nehmen, und wir werden in einem fristeten Hemdeunsere Pacht verlaufen müssen. Jetzt, mein liebes
Weib,