Druckschrift 
1 (1842) (1842)
Entstehung
Seite
443
Einzelbild herunterladen
 

443

vom Rauche frei zu erhalten. Sie werden es für un-glaublich erklären, daß die reichen Leute jener Zeit, diemit dem größten Aufwände nach Lebensgenuß und Be-quemlichkeit strebten, es über sich gewonnen haben foltten,sich jedes Vergnügen des Aufenthaltes in ihren comfor-tabeln Zimmern durch unausstehlichen Rauch verbittern zulassen. Sie werden sich nicht überreden wollen, daß esden griechischen und römischen Köchen möglich gewesen seynsollte, die mancherlei künstlichen Gerichte, womit die Epi-curäcr jener Zeit ihrem Gaumen zu schmeicheln gewohntwaren, in räucherigen Küchen zu bereiten.

Und dennoch steht die Thatsache selbst unwiderlegbarfest: es gab alles Andere in den prächtigen Häusern derGriechen und Römer, nur keine — Schornsteine!

Zwar entscheiden die alten Mauerwerk«, die man nochin Griechenland und Italien findet, an sich nichts überdiesen wichtigen Puncto denn bei den Ruinen von Stadt-mauern, Tempeln, Amphitheatern, Bädern, Wasserleitungen,Brücken u. s. w. lassen sich keine Ueberrcste von Schorn-steinen aufsuchen. Allein die in Herculanum und Pompejiaufgegrabenen alten Wohnhäuser geben einen destosichereren Anhaltcpunct: und auch da hat man nirgendsSchornsteine entdeckt. Ebenso wenig findet man in denMalereien und Bildwerken der Alten irgend Etwas an-gedeutet, was einem heutigen Kamine oder Schornsteinegliche, und doch würden sie gewiß eine häusliche Ein-richtung dieser Art bemerkbar zu machen nicht unterlassenhaben, wenn sie ihnen wirklich bekannt gewesen wäre.

Es giebt aber auch noch andere, nicht unwesentliche Um-stände, die es fast außer Zweifel setzen, daß die Feuerheerde deralten Griechen und Römer wirklich keine Rauchfänge hatten.