— 248 —
Augcn. Wo gicbt es denn eine Wahrheit, in dernicht etwas Lüge wäre? Wo eine Schönheit, dienicht ihre Flecken hätte? Wo ein Erhabenes, demnicht eine Lächerlichkeit zur Seite stünde? Die Na-tur dichtet selten, und rennet niemals; wem ihreProsa und ihre Ungereimtheiten nicht behagen, Derwende sich zur Poesie. Die Natur regiert republi-kanisch, sie lässt jedem Dinge seinen Willen biszur Reise der Misscthat, und straft dann erst. Werschwache Nerven hat und Gefahren scheut, Der dieneder Kunst, der absoluten, die jeden rauhen Gedan-ken ausstreicht, che er zur That wird, und an jederThat feilt, bis sie zu schmächtig wird zur Misscthat.
„Heine hat in meinen Augcn so großen Werth,dass es ihm nicht immer gelingen wird, sich zu über-schätzen. Also nicht diese Selbstüberschätzung macheich ihm zum Vorwurfe, sondern dass er überhauptdie Wirksamkeit einzelner Menschen überschätzt, ober es zwar in seinem eigenen Buche so klar undschön dargethan, dass heute die Individuen Nichtsmehr gelten, dass selbst Voltaire und Rousseau vonkeiner Bedeutung wären, weil jetzt die Chöre han-delten und die Personen sprächen. Was sind wirdenn, wenn wir Viel sind? Nichts, als die Heroldedes Volks. Wenn wir verkündigen und mit lauter,vernehmlicher Stimme, was uns, Jedem von seiner