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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
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schrieb ich vor etwa sechs Jahren, und indem ichsie heute wieder überlese, lagern sich über meineSeele, wie feuchte Schatten, alle jene trostlosen Be-trübnisse, wovon mich damals nur die ersten Ah-nungen anwehten. Es rieselt mir wie Eiswasserdurch die glühendsten Empfindungen, und mein Le-ben ist nur ein schmerzliches Erstarren. O, kalteWintcrhölle, worin wir zahneklappernd leben! ...O Tod, weißer Schneemann im unendlichen Nebel,was nickst du so verhöhnend! . . .

Glücklich sind Die, welche in den Kerkern derHeimat ruhig hinmodcrn . . . denn diese Kerkersind eine Heimat mit eisernen Stangen, und deut-sche Luft weht hindurch, und der Schlüsselmeister,wenn er nicht ganz stumm ist, spricht er die deut-sche Sprache! ... Es sind heute über sechs Monde,dass kein deutscher Laut an mein Ohr klang, undAlles, was ich dichte und trachte, kleidet sich müh-sam in ausländische Redensarten . . . Ihr habtvielleicht einen Begriff vom leiblichen Exil, jedochvom geistigen Exil kann nur ein deutscher Dichtersich eine Vorstellung machen, der sich gezwungensähe, den ganzen Tag französisch zu sprechen, zuschreiben, und sogar des Nachts am Herzen derGeliebten französisch zu seufzen! Auch meine Ge-danken sind exiliert, exiliert in eine fremde Sprache.

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