Mit Missbehagcn erfüllte mich ferner Börne'sbeständiges Kanncngießcrn. Immer politisches Rä-sonnicrcn und wieder Räsonnicrcn, und sogar beimEssen, wo er mich aufzusuchen wusstc. Bei Tische,wo ich so gern alle Misere der Welt vergesse, ver-darb er mir die besten Gerichte durch seine patrio-tische Galle, die er gleichsam wie eine bittre Saucedarüber hinschwatzte. Kalbsfüße a In Naitrs ä'M-lest damals meine harmlose Lieblingsspeise, er ver-leidete sie mir durch Hiobsposten aus der Heimat,die er aus den unzuverlässigsten Zeitungen zusam-mengcgabclt hatte. Und dann seine verfluchten Be-merkungen, die Einem den Appetit verdarben. Soz. B. kroch er mir mal nach in den Restaurant derRuc Lcpclleticr, wo damals nur politische Flücht-linge aus Italien, Spanien, Portugal und Polenzu Mittag speisten. Börne, welcher sie Alle kannte,bemerkte mit freudigem Händercibcn: wir Beideseien von der ganzen Gesellschaft die Einzigen, dienicht von ihrer respcktivcn Regierung zum Todeverurthcilt worden. „Aber ich habe," setzte er hinzu,„noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, es eben soweit zu bringen. Wir werden am Ende Alle ge-henkt, und Sie eben so gut wie ich." Ich äußertebei dieser Gelegenheit, dass es in der That für dieSache der deutschen Revolution sehr fördcrsam wäre,
Heine's Werke. Bd. XII. 12