Druckschrift 
12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
176
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meine Seele selbst ist, die beseelende Seele meinesLebens. Ich gehorche fast passiv einer sittlichen Not-wendigkeit, und mache desshalb keine Ansprüche aufLorberkränze und sonstige Tugendpreisc. Ich habejüngst ein Buch gelesen, worin behauptet wird, ichhätte mich gerühmt, es liefe keine Phryne über diePariser Boulevards, deren Reize mir unbekannt ge-blieben. Gott weiß, welchem ehrwürdigen Korrc-spondenzlcr solche saubre Anekdoten nachgesprochenwurden, ich kann aber dem Verfasser jenes Buchesdie Versicherung geben, dass ich selbst in meinertollsten Jugendzeit nie ein Weib erkannt habe, wennich nicht dazu begeistert ward durch ihre Schönheit,die körperliche Offenbarung Gottes, oder durch diegroße Passion, jene große Passion, die ebenfallsgöttlicher Art, weil sie uns von allen selbstsüchtigenKlcingefühlcn befreit und die citeln Güter des Le-bens, ja das Leben selbst, hinopfcrn lässt! . . . Unddie Welt ist am Ende gerecht, und sie verzeiht dieFlammen, wenn nur der Brand stark und echt ist,und schön lodert und lange . . . Gegen eitel ver-puffendes Strohfeuer ist sie hart, und sie verspottetjede ängstliche Halbgluth ... Die Welt achtet undehrt jede Leidenschaft, sobald sie sich als eine wahreerprobt, und die Zeit erzeugt auch in diesem Falleeine gewisse Legitimität. . .