Druckschrift 
12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
138
Einzelbild herunterladen
 

— 138 —

Räthsel dieses Mannes, der in weichlichster Seideerzogen worden, späterhin in stolzen Anflügen seineinnere Vornehmheit bekundete, und gegen das Endeseiner Tage plötzlich überschnappte in pöbelhafteTöne und in die banalen Manieren eines Dema-gogen der untersten Stufe? Stachelten ihn etwadie Nöthen des Vaterlandes bis zum entsetzlichstenGrade des Zorns, oder ergriff ihn der schauerlicheSchmerz eines verlorenen Lebens? . . . Ja, Daswar es vielleicht; er sah, wie er dieses ganze Lebenhindurch mit all seinem Geiste und all seiner Mä-ßigung Nichts ausgerichtet hatte, weder für sich,noch für Andere, und er verhüllte sein Haupt, oder,um bürgerlich zu reden, er zog die Mütze über dieOhren und wollte fürdcr weder sehen, noch hören,und stürzte sich in den heulenden Abgrund . . .Das ist immer eine Rcsourcc, die uns übrig bleibt,wenn wir angelangt bei jenen hoffnungslosen Mar-ken, wo alle Blumen verwelkt sind, wo der Leibmüde und die Seele verdrießlich ... Ich will nichtdafür stehen, dass ich nicht einst unter denselbenUmständen Dasselbe thuc . . . Wer weiß, vielleichtam Ende meiner Tage überwinde ich meinen Wi-derwillen gegen den Tabacksqualm und lerne rau-chen und halte die ungewaschensten Reden vor demungewaschensten Publikum ^ . .