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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
135
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mchr die großen Volksredner, die ich immer benei-dete, und ich hätte für mein Leben gern auf öffent-lichem Markte vor einer bunten Versammlung dasgroße Wort erhoben, welches die Leidenschaften aus-wühlt oder besänftigt und immer eine augenblick-liche Wirkung hervorbringt. Ja, unter vier Augen willich es dir gern eingestehen, dass ich in jener uner-fahrenen Jugendzeit, wo uns die komödiantenhaftenGelüste anwandeln, mich oft in eine solche Rollehineindachte. Ich wollte durchaus ein großer Red-ner werden, und wie Dcmosthcnes deklamierte ichzuweilen am einsamen Meeresstrand, wenn Windund Wellen brausten und heulten; so übt man seineLungen und gewöhnt sich dran, mitten im größtenLärm einer Volksversammlung zu sprechen. Nichtselten sprach ich auch auf freiem Felde vor einergroßen Anzahl Ochsen und Kühe, und es gelangmir, das versammelte Rindviehvolk zu überbrüllen.Schwerer schon ist es, vor Schafen eine Rede zuhalten. Bei Allem, was du ihnen sagst, diesenSchafsköpfen, wenn du sie crmahnst, sich zu be-freien, nicht wie ihre Vorfahren geduldig zurSchlachtbank zu wandern ... sie antworten dirnach jedem Satze mit einem so unerschütterlich ge-lassenen Müh! Mäh! dass man die Kontcnancc ver-lieren kann. Kurz, ich that Alles, um, wenn bei