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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
134
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gesellen auf dcn Montmartre gestiegen, um ihneneine Bergpredigt zu halten, muffte ich mitleidig dieAchsel zucken, aber am wenigsten über Börne, dereine Saat ausstreute, die früh oder spät die furcht-barsten Früchte hervorbringt. Er sprach sehr gut,bündig, überzeugend, volksmäßig; nackte, kunstloseRede, ganz im Bergpredigerton. Ich habe ihn frei-lich nur ein einziges Mal reden hören, nämlich indem Passage Saumon, wo Garnier der „Volks-versammlung" präsidierte . . . Börne sprach überden Prcssverein, welcher sich vor aristokratischerForm zu bewahren habe; Garnier donnerte gegenRikolas, den Zar von Russland; ein verwachsener,krummbcinigtcr Schustcrgesellc trat ans und behaup-tete, alle Menschen seien gleich ... Ich ärgertemich nicht wenig über diese Impertinenz ... Eswar das erste und letzte Mal, dass ich der Volks-versammlung beiwohnte.

Dieses eine Mal war aber auch hinreichend. . . Ich will dir gern, lieber Leser, bei dieserGelegenheit ein Geständnis machen, das du ebennicht erwartest. Du meinst vielleicht, der höchsteEhrgeiz meines Lebens hätte immer darin bestan-den, ein großer Dichter zu werden, etwa gar aufdem Kapital gekrönt zu werden, wie weiland Mes-ser Francesko Pctrarcha . . . Nein, es waren viel-