Druckschrift 
12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

dazu ein schlechter Poet ist! Wenn ich ihn in mei-ner Macht hätte, dieser schlechte Dichter sollte nie-derknien vor dem Bilde der Musen und Abbittethun wegen seiner schlechten Bcrsc, wegen belei-digter Majestät der Poesie! Sprecht mir jetzt nochvon römischen Kaisern, welche so viel' Taufende vonChristen hinrichten ließen, weil Diese nicht vor ihremBilde knien wollten . . . Jene Tyrannen warenwenigstens Herren der ganzen Welt von Aufgangbis zum Niedergang, und wie wir an ihren Sta-tuen noch heute sehen, wenn auch keine Götter, sowaren sie doch schöne Menschen. Man beugt sicham Ende leicht vor Macht und Schönheit. Aberniederknien vor Ohnmacht und Hässlichkcit, voreinem süddeutschen Winkcldespötchcn, welches aus-sieht wie ein — "

— — Es bedarf wohl keines, besonderenWinks für den scharfsinnigen Leser, aus welchenGründen ich den Frevler nicht weiter sprechen lasse.Ich glaube, die angeführten Phrasen sind hinrei-chend, um die damalige Stimmung des Manneszu bekunden; sie war im Einklang mit dem hitzigenTreiben jener deutschen Tumultantcn, die seit derJnliusrevolution in wilden Schwärmen nach Pariskamen und sich schon gleich um Börne sammelten.Es ist kaum zu begreifen, wie dieser sonst so gc-

Heine's Werke. Bd. XII. I