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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
81
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halten geheime Zwiegespräche. Ja, ich will die Po-litik und die Philosophie an den Nagel Hüngen undmich wieder der Naturbetrachtnng und der Kunsthingeben. Ist doch all dieses Quälen und Abmühennutzlos, und obgleich ich mich marterte für dasallgemeine Heil, so wird doch dieses wenig dadurchgefördert. Die Welt bleibt nicht im starren Still-stand, aber im erfolglosesten Kreislauf. Einst, alsich noch jung und unerfahren, glaubte ich, dass,wenn auch im Befreiungskämpfe der Menschheitder einzelne Kämpfer zu Grunde geht, dennoch diegroße Sache am Ende siege . . . Und ich erquicktemich an jenen schönen Versen Byron's:

„Die Wellen kommen eine nach der andernhcrangcschwommcn, und eine nach der andern zer-brechen sie und zerstieben sie auf dem Strande, aber

das Meer selber schreitet vorwärts "

Ach! wenn man dieser Naturerscheinung län-ger zuschaut, so bemerkt man, dass das vorwärts-geschrittene Meer nach einem gewissen Zeitkauf sichwieder in sein voriges Bett zurückzieht, später aufsNeue daraus hervortritt, mit derselben Heftigkeitdas verlassene Terrain wieder zu gewinnen sucht,endlich klcinmüthig wie vorher die Flucht ergreift,und, dieses Spiel beständig wiederholend, dennochniemals weiter kommt . . . Auch die Menschheit

Heine's Werke. Bd. XII. 6