man kann nnr seine Wirkung auf unser Gcmüthkonstatieren, und nicht wenig mussten die griechi-schen Grammatiker in Verlegenheit gerathcn, alssie manche frappante Schönheiten in der Bibelnach hergebrachten Kunstbcgriffcn definieren sollten.Longinus spricht* von Erhabenheit. Neuere Ästhe-tiker sprechen von Naivctät. Ach! wie gesagt, hierfehlen alle Maßstäbe der Bcurthcilung ... dieBibel ist das Wort Gottes.
Nur bei einem einzigen Schriftsteller finde ichEtwas, was an jenen unmittelbaren Stil der Bibelerinnert. Das ist Shakspearc. Auch bei ihm trittdas Wort manchmal in jener schauerlichen Nackt-heit hervor, die uns erschreckt und erschüttert; inden Shakspeare'schcn Werken sehen wir manchmaldie leibhaftige Wahrheit ohne Kunstgcwand. AberDas geschieht nnr in einzelnen Momenten; der Ge-nius der Kunst, vielleicht seine Ohnmacht fühlend,überließ hier der Natur sein Amt auf einige Augen-blicke, und behauptet hernach nm so eifersüchtigerseine Herrschast in der plastischen Gestaltung undin der witzigen Verknüpfung des Dramas. Shak-spearc ist zu gleicher Zeit Jude und Grieche, odervielmehr beide Elemente, der Spiritualismus unddie Kunst, haben sich in ihm versöhnungsvoll durch-drungen und zu einem höheren Ganzen entfaltet.