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Helgoland, den 29. Julius.
Ich habe wicdcr im alten Testamente gelesen.Welch ein großes Buch! Merkwürdiger noch, alsder Inhalt, ist für mich diese Darstellung, wo dasWort gleichsam ein Naturprodukt ist, wie ein Baum,wie eine Blume, wie das Meer, wie die Sterne,wie der Mensch selbst. Das sprosst, Das fließt,Das funkelt, Das lächelt, man weiß nicht wie, manweiß nicht warum, man findet Alles ganz natür-lich. Das ist wirklich das Wort Gottes, statt dassandere Bücher nur von Menschcnwitz zeugen. ImHomer, dem anderen großen Buche, ist die Dar-stellung ein Produkt der Kunst, und wenn auch derStoff immer, eben so wie in der Bibel, aus derRealität aufgegriffen ist, so gestaltet er sich doch zueinem poetischen Gebilde, gleichsam umgeschmolzeuim Tiegel des menschlichen Geistes; er wird geläu-tert durch einen geistigen Proccss, welchen wir dieKunst nennen. In der Bibel erscheint auch keineSpur von Kunst; Das ist der Stil eines Notizeu-buchs, worin der absolute Geist, gleichsam ohne alleindividuelle menschliche Beihilfe, die Tagesvorfälleeingezeichnet, ungefähr mit derselben tatsächlichenTreue, womit wir unsere Waschzettel schreiben. Überdiesen Stil lässt sich gar kein Nrthcil aussprechen,