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12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
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und gar mit gebrechlichem Besitzthum kommt dieFurcht und die Knechtschaft. Ich habe mir leidervor Kurzem ein schönes Thccservice angeschafft —die Kanne war so lockend prächtig vergoldet—aufder Zuckerdose war das eheliche Glück abgemalt,zwei Liebende, die sich schnäbeln — auf der einenTasse der Katharinenthurm, auf einer andern dieKonstablcrwachc, lauter vaterländische Gegenden aufden übrigen Tassen. — Ich habe wahrhaftig jetztmeine liebe Sorge, dass ich in meiner Dummheitnicht zu frei schreibe und plötzlich flüchten mttsste.— Wie könnte ich in der Geschwindigkeit all' dieseTassen und gar die große Kanne einpacken? Inder Eile könnten sie zerbrochen werden, und zurück-lassen möchte ich sie in keinem Falle. Ja, wir Men-schen sind sonderbare Käuze! Derselbe Mensch, dervielleicht Ruhe und Freude seines Lebens, ja dasLeben selbst aufs Spiel setzen würde, um seineMeinungsfreiheit zu behaupten, der will doch nichtgern ein paar Tassen verlieren, und wird einschweigender Sklave, um seine Thcekannc zu kon-servieren. Wahrhaftig, ich fühle, wie das verdammtePorzellan mich im Schreiben hemmt, ich werde somilde, so vorsichtig, so ängstlich ... Am Endeglaub' ich gar, der Porzellanhändler war ein östrei-chischcr Polizeiagent und Metternich hat mir das

H eine's Werke. Bd. XII.