trasin sie eines Sinnes zusammen. Stein war kein Freundvon Umwegen, krumme Wege waren ihm vollends zuwider;
war mir dabei noch dunkel und ich ging zu ihm, um seinenWillen näher zu erbitten; dicß war aber an demselben Tage, woich den Auftrag erhalten hatte. Gleichwohl empfing er michmit der Frage: ,,Sind Sie fertig?" Als ich antwortete: ,,ichbrauche einen halben Tag, um mit prüfender Aufmerksamkeitden in Rede stehenden Aufsatz zu lesen," crwiederte er: „Iwer wollte so langsam sein! Das ganze Buch lese ich in ei-ner Stunde durch." Indem er das sagte, sprang er schnellvom Stuhle auf und ging in raschen Schritten im Zimmer aufund ab, und ich erzählte, wie Semler in einem Morgen einen Fo-lianten hätte durchlesen können. „SehenSie!" sagte er, gutmiithiglächelnd. Denn dieser strenge, heftige und impctuöse Mann wartief im Grunde seines Herzens ein weicher, liebevoller Mensch,gut wie ein Kind und wehmiithig wie ein Christ, der mitSchmerz seine Schwächen und Unvollkommenheilen fühlt. Seinhohlr, reicher Geist, der im Gefühl seiner Kraft jedem, auchdem höchsten menschlichen Ansehen muthig entgegen trat, undvor Fürsten, Kaiser und Königen wie ein freier Mann dastand,beugte sich dcmüthig vor der göttlichen Autorität des Christen-thums. Er sah und ehrte in ihm, in seiner Verbreitung undmoralischen Einwirkung, eine göttliche Offenbarung, und lasund studirte besonders die englischen Hauptschristen gegen die-selbe, um sich in seinem Glauben zu stärken und zu befestigen.Derselbe ruhcte aus einem sichern, festen Grunde. Er prüfte,forschte und dachte nicht bloß mit seinem hellen, wohl unter-richteten Geiste, sondern er fragte zugleich sein Gewissen, unddarum war er in allen Stücken ein gewissenhafter Mann, der,so wie er stand und ging, eine höhere, göttliche Signatur trug.In seinem ganzen Wesen athmcte ei» wahrhaft vornehmes Be-nehmen, welches ihn ebenso sehr vor Abgcmesscnheit und Pe-danterie, als vor Gemeinheit und Trivialität bewahrte. Wennsein klarer Verstand, der bei allem Erkennbaren Gründe ver-langte, ihm es unmöglich machte, mystische Gefühle in sichaufzunehmen, und Schriften, welche dieselben nährten, z. B.