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und Gottverlassen, blieb offen und empfänglich für allesGute und Milde, was Er in Seinem Hafen, Seinem Hause,
Grundzug seines Charakters war. Darum war der Eindruck,den er namentlich auf Kranke machte, belebend und stärkend,und das große Glück, welches er vorzüglich in den MittlernJahren seiner praktischen Wirksamkeit am Krankenbette hatte,lag vorzüglich auch in der sanften Gewalt, die er über Alleübte, die sich ihm anvertrauten. Unzählige Fälle lassen sichnamhaft machen, wo Leidende durch das volle hingebende Ver-trauen, was sie bald zu ihm faßten, belebt und gcstärkct wur-den und dann schneller zur Genesung gelangten. Seine Zu-spräche hatte etwas ungemein Zartes, Erweckendes und Wohl-thuendcs, und der Blick seines seelenvollen, oft schwermüthige»Auges drang tief in's Herz. Seine herrschende Gemüthsstim-mung hatte, wie man es bei allen wahrhaft großen Menschenfindet, eine sanfte Beimischung von Wehmuth; man fühlte sichzu dem Manne hingezogen und ahnte bald seine höhere Natur,Sein ganzes Sein und Wesen athmcte etwas Ungewöhnliches,dem ein Siegel des Uebcrsinnlichen aufgedrückt war. Im Um-gange mit ihm fühlte man sich gehoben, angeregt, erquickt undweiter gefördert. Was man an ihm wahrgenommen, was mangeistig von ihm empfangen hatte, ließ tiefe Verehrung und dasVerlangen zurück, bald wieder in seine Nähe zu kommen.Seiner Vorzüge und seines Uebergewichtcs war er sich selbstnicht bewußt, so einfach, kunstlos und rein, man kann sagenkindlich, war sein Gemüth. Je mehr Verdienst und Glück ihnhob, je mehr sein Ansehn stieg, desto anspruchloscr und dcmü-thiger wurde er. Bei der glänzenden Feier seines SVjährigenDienstjubiläums war er wie Einer, der alle empfangenen Beweiseder Verehrung und Liebe nicht auf sich anwenden dürfe, mei-nend, es sei dabei nicht von ihm selbst, sondern von einemAndern die Rede. „Ich muß mich besinnen und fragen," hörteman ihn sagen, „ob ich der bin, dem Alles gilt," und nichtsSchöneres kann man lesen, als den Dank, den er nachher inungeschminkter Demuth öffentlich aussprach. „Ich," heißt esdarin, „beuge heute meine Knie vor dem Allliebcndcn, der mich