IKK Vermischte Schriften.
nach realistischer Kost verlangt: seine Anerkennung ist ein bedenklichesZeichen einreißender Prosa.
Die deutsche Sprache an sich ist reich, aber in der deutschenKonversation gebrauchen wir nur den zehnten Teil dieses Reichtums,faktisch sind wir also spracharm.
Die französische Sprache au sich ist arm, aber die Franzosenwissen alles, was sie enthält, in der Konversation auszubeuten, undsie sind daher sprachreich in der That.
Nur in der Litteratur zeigen die Deutschen ihren ganzen Sprach-schatz, und die Franzosen, davon geblendet, denken, Wunders wieglänzend wir zu Hause — sie haben auch keinen Begriff davon, wiewenig Gedanken bei uns im Umlauf zu Hause. Bei den Franzosenjust das Gegenteil: mehr Ideen in der Gesellschaft, als in den Büchern,und die Geistreichsten schreiben gar nicht oder bloß zufällig.
Voltaire hebt sich kühn empor, ein vornehmer Adler, der in dieSonne schaut — Rousseau ist ein edler Stern, der aus der Hoheniederblickt; er liebt die Menschen von oben herab.
Voltaire huldigt sman lese seine Medikation des „Mahomcd")dem Papste ironisch und freiwillig.
Rousseau konnte nicht dazu gebracht werden, sich dem Königepräsentieren zu lassen — sein Instinkt leitete ihn richtig; er war derEnthusiasmus, der sich nicht abfinden kann.
Die älteren französischen Schriftsteller hatten einen bestimmtenStandpunkt: Licht und Schatten sind immer richtig, nach den Gesetzendes Standpunktes. Die neueren Schriftsteller springen von einemStandpunkt auf den andern, und in ihren Gemälden ist eine wider-wärtige Konfusion von Licht und Schatten — hier eine Bemerkung,die der pantheistischen Weltansicht angehört, dort ein Gefühl, dasaus dem Materialismus hervorgeht, Zweifel und Glaube sich kreuzend,— eine Harlekinsjacke.
In der französischen Litteratur herrscht jetzt ein ausgebildeterPlagiatismns. Hier hat ein Geist die Hand in der -rasche des andern,und das giebt ihnen einen gewissen Zusammenhang. Bei diesemTalent des Gedankendiebstahls, wo einer dem andern den Gedankenstiehlt, ehe er noch ganz gedacht, wird der Geist Gemeingut — Inder röxnbligns ctss Isttrss ist Gedankengütergemeinschaft.