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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
167
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Gedanken und Einfälle. IL?

Die nenfranzösische Litteratur gleicht den Nestäurants deS PalaisRoyal — Wenn man in der Küche gelauscht, die Ingredienzien derGerichte nnd ihre Zubereitung gesehen, würde man den Appetit ver-lieren — der schmutzige Koch zieht Handschuh an, wenn er ans blankerSchüssel sein Gemätsch austrägt.

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Die französischen Autoren der Gegenwart gleichen den Restaurants,Ivo man für zwei Frank zu Mittag speist. Anfangs munden ihreGerichte, später entdeckt man, daß sie die Materialien nuS zweiterund dritter Hand und schon alt oder verfault bezogen.

Die ncnfranzösischen Romantiker sind Dilettanten des Christen-tums, sie schwärmen für die Kirche, vhne ihrem Symbol gehvrsamanzuhängen, sie sind oackiioiigriss irmrrons.

Sollte es wahr sein, daß Frankreich zum Christcntume zurück-verlangt? Ist Frankreich so krank? Es läßt sich Märchen erzählen —Will es sich auf dem Sterbebette bekehren? Verlangt es die Sakra-mente? Gebrechlichkeit, dein Name ist Mensch i

Chateaubriand will das Christentum gegen den brillanten Un-glauben, dem alle Welt huldigt, predigen. Er befindet sich im um-gekehrten Falle wie der neapolitanische Kapuziner, der den Leutendas Kreuz vorhält: „liooo ii vero xoiieinsUo!" Chateaubriand ist einPvlichincll, der seine Marotte den Leuten vorhält: „Laeo ii vsro eraas!"

Chateaubriand ist ein FaselhanS, Royalist durch Prinzip, Republi-kaner durch Inklination, ein Ritter, der eine Lanze bricht für dieKeuschheit jeder Lilie, nnd statt Mambrins Helm eine rote Mützeträgt mit einer weißen Kokarde.

Bnffvn sagt, der Stil sei der Mensch selbst. Vilcmain ist einelebende Widerlegung dieses Axioms, sein Stil ist schön, wvhlgewachsennnd reinlich.

Wenn man, wie Charles Nodicr, in seiner Jugend mehrmalsguillotiniert worden, ist es sehr natürlich, daß man im Alter keinenKopf mehr hat.