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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
145
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Nachtrüge.

wie bei allen Rothschildschen Soireen, in einer strengen Auswahlaristokratischer Illustrationen, die durch große Namen oder hohenRang, die Frauen aber mehr durch Schönheit und Putz, imponierenkönnten. Was jenen Palast mit seinen Dekorationen betrifft, so isthier alles vereinigt, was nur der Geist des 16. Jahrhunderts er-sinnen und das Geld des 19. Jahrhunderts bezahlen konnte; hierwetteiferte der Genius der bildenden Kunst mit dem Genius vonRothschild. Seit zwei Jahren ward an diesem Palast und seinerDekoration bestandig gearbeitet, und die Summen, die daran ver-wendet worden, sollen ungeheuer sein. Herr von Rothschild lächelt,wenn man ihn darüber befragt. Es ist das Versailles der absolutenGeldherrschaft. Indessen muß man den Geschmack, womit alles aus-geführt ist, ebensosehr wie die Kostbarkeit der Ausführung bewundern.Die Leitung der Verzierungen hatte Herr Duponchcl übernommen,und alles zeugt von seinem guten Geschmack. Im ganzen, sowie inEinzelheiten, erkennt man auch den feinen Kunstsinn der Dame dcSHanfes, die nicht bloß eine der hübschesten Frauen von Paris ist,sondern ausgezeichnet durch Geist und Kenntnisse, sich auch praktischmit bildender Kunst, nämlich Malerei, beschäftigt. Die Renaissance,wie man das Zeitalter Franz I. benannt, ist jetzt Mode in Paris.Alles möbliert und kostümiert man jetzt im Geschmackc dieser Zeit;ja, manche treiben dieses bis zur Wut. Was bedeutet diese plötzlicherwachte Leidenschaft für jene Epoche der erwachten Kunst, der er-wachten Lebensheiterkeit, der erwachten Liebe für das Geistreiche inder Form der Schönheit? Vielleicht liegen in unserer Zeit einigeTendenzen, die sich durch diese Sympathie beurkunden.

(ZurLutetia", Parlamentarische Periode desBürgcrkvuigtums.)

Der Hamburger Brand.

Paris, den 20. Mai 1842.

In diesem Augenblicke freilich sind die meisten Völker noch daraufhingewiesen, ihr Natioualgefühl auszubilden oder vielmehr auszu-beittcn, um zur inneren Einheit, zur Ccntralisativn ihrer Kräfte zugelangen, und somit auch nach außen den bedrohlichen Nachbarngegenüber zu erstarken. Aber das Nativnalgefühl ist nur Mittel zumZweck, es wird wieder erlöschen, sobald dieser erreicht ist, und es hatkeine so große Zukunft wie jenes Bewußtsein des Weltbürgertums,das von den edelsten Geistern des 18. Jahrhunderts proklamiertworden, und früh oder spät, aber ans immer, auf ewig, zur Herr-schaft gelangen muß. Wie tief dieser Kosmopolitismus in den Herzen

Heine's Werke. XII. Bd. Ig