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der Töne, und auch neue Melodien giebt er, ganz außerordentliche,aber nicht in anarchischer Fülle, sondern wo er will und wann erwill, an der Stelle, wo sie nötig sind. Hierdurch eben unterscheideter sich von andern genialen Musikern, deren Melodienreichtum eigent-lich ihren Mangel an Kunst verrät, indem sie von der Strömungihrer Melodien sich selber hinreißen lassen und der Musik mehr ge-horchen als gebieten. Ganz richtig hat man gestern im Foyer derOper den Kunstsinn von Meyerbeer mit dem Goetheschen verglichen.Nur hat, im Gegensah gegen Goethe, bei unserem großen Maestrodie-Liebe für seine Kunst, für die Musik, einen so leidenschaftlichenCharakter angenommen, daß seine Verehrer oft für seine Gesundheitbesorgt sind. Von diesem Manne gilt wahrhaftig das orientalischeGleichnis von der Kerze, die, während sie andern leuchtet, sich selberverzehrt. Auch ist er der abgesagte Feind von aller Umnnsik, allenMißtönen, allem Gegröhle, allem Gequicke, und man erzählt diespaßhaftesten Dinge von seiner Antipathie gegen Katzen und Katzen-musik. Schon die Nähe einer Katze kann ihn ans dem Zimmertreiben, sogar ihm eine Ohnmacht zuziehen. Ich bin überzeugt,Meycrbeer stürbe, wenn es nötig wäre, für einen musikalischen Satz,wie andere etwa für einen Glaubenssatz, Ja, ich bin der Meinung,wenn am jüngsten Tage ein Posaunenengel schlecht bliese, so wäreMeycrbeer kapabel, im Grabe ruhig liegen zu bleiben und an derallgemeinen Auferstehung gar keinen Teil zu nehmen. Durch seinenEnthusiasmus für die Sache, sowie auch durch seine persönliche Be-scheidenheit, sein edles, gütiges Wesen, besiegt er gewiß auch jedekleine Opposition, die, hervorgerufen durch den kolossalen Erfolg von„Robert le Diable", seitdem hinlängliche Muße hatte, sich zu ver-einigen, und die gewiß diesesmal bei dem neuen Trinmphzug ihrebösmänligsten Lieder ertönen läßt. Es darf Sie daher nicht be-fremden, wenn vielleicht einige grelle Mißlante in dem allgemeinenBeifallsrufe vernehmbar werden. Ein Mnsikhändlcr, welcher nichtder Verleger der neuen Oper, wird wohl das Mittelpünktchen dieserOpposition bilden, und an diesen lehnen sich einige musikalischeRcnommeen, die längst erloschen oder noch nie geleuchtet.
Es war gestern abend ein wunderbarer Anblick, das elegantestePublikum von Paris, festlich geschmückt, in dem großen Opernsnalcversammelt zu sehen, mit zitternder Erwartung, mit ernsthafter Ehr-furcht, fast mit Andacht. Alle Herzen schienen erschüttert. Das warMusik. — Und daraus der Rothschildsche Ball. Da ich ihn erst umvier Uhr diesen Morgen verlassen und noch nicht geschlafen habe,bin ich zu sehr ermüdet, als daß ich Ihnen von dem Schauplätzedieses Festes, dem neuen, ganz im Geschmack der Renaissance erbautenPalaste, und von dem Publikum, das mit Erstaunen darin nmhcr-wandeltc, einen Bericht abstatten könnte. Dieses Publikum bestand,