14k Vermischte Schriften.
der Franzosen wurzelt, das beurkundete sich recht sichtbar bei Gelegen-heit deS Hamburger Brandes. Die Partei der Menschheit hat daeinen großen Triuiuph gefeiert. Es übersteigt alle Begriffe, wie ge-waltig das Mitgefühl hier alle Bolksklassen erfaßte, als sie Vau demUnglück Härten, das jene ferne deutsche Stadt betroffen, derengeographische Lage vielleicht den wenigsten bekannt war. Ja, beisolchen Anlässen zeigt es sich, daß die Völker dieser Erde innigerverbunden sind, als man da und dort ahnen oder wünschen mag,und daß bei aller Verschiedenheit der Interessen dennoch eine glühendeBruderliebe in Europa auflodern kann, wenn die rechte Stunde kommt.Hatte aber die Nachricht von jenem furchtbaren Brande bei denFranzosen, die gleichzeitig im eigenen Hause ein schmerzliches Schreckniserlebten, die rührendste Sympathie hervorgerufen, so mußte die Teil-nahme in noch stärkerem Grade stattfinden bei den hier wohnendenDeutschen, die ihre Freunde und Verwandten in Hamburg besitzen.Unter den Landsleutcn, die sich bei dieser Gelegenheit durch inild-thätigen Eifer auszeichneten, muß Herr James von Rothschild ganzbesonders genannt werden, wie denn überhaupt der Name diesesHauses immer hervortritt, wo ein Werk der Menschenliebe zu ver-richten ist. Und mein armes Hamburg liegt in Trümmern, und dieOrte, die mir so wohl bekannt, mit welchen alle Erinnerungen meinerJugend so innig verwachsen, sie sind ein rauchender Schutthaufen!Am meisten beklage ich den Verlust jenes Petriturmes — er warüber die Kleinlichkeit seiner Umgebung so erhaben! Die Stadt wirdbald wieder anfgebaut sein mit neuen, geradlinigen Häusern und nachder Schnur gezogenen Straßen, aber es wird doch nicht mehr meinaltes Hamburg sein, mein altes, schiefwinklichtes, schlabbriges Hamburg.Der Breitengiebel, wo mein Schuster wohnte und wo ich Austernaß, bei Unbescheiden — ein Raub der Flammen! Der „HamburgerKorrespondent" meldet zwar, daß der Drcckwall sich bald wie einPhönix ans der Asche erheben werde — aber ach, es wird doch deralte Dreckwall nicht mehr sein! Und das Rathans — wie oft er-götzte ich mich an den Kaiserbildern, die, aus Hamburger Rauchfleischgemeißelt, die Fassade zierten! Sind die hoch- und wohlgcpndcrtenPerücken gerettet, die dort den Häuptern der Republik ihr majestätischesAnsehen gaben? Der Himmel bewahre mich, in einem Momentewie der jetzige an diesen alten Perücken ein weniges zu zupfen. ImGegenteil, ich möchte bei dieser Gelegenheit vielmehr bezeugen, daßdie Regierung zu Hamburg immer die Negierten übertraf an gutemWillen für gesellschaftlichen Fortschritt. Das Volk stand hier immertiefer, als seine Stellvertreter, worunter Männer von der bedeutendstenBildung und Nernünftigkeit. Aber es steht zu hoffen, daß der großeBrand auch die unteren Intelligenzen ein bißchen erleuchtet habenwird und die ganze hamburgischc Bevölkerung jetzt einsieht, daß der