Vorbemerkung zu LauteubciKers Paraphrase einer Stelle d. Tacitus. 143
Vorbemerkung zu Lautenbachers Paraphrase einerstelle des Tacitus.
(1828.)
Anno 17Z4 lieferte der Visux eorclslisr eine Paraphrase jenesKapitels des Tacitus, Iva dieser den Zustand Rains unter Neroschildert. Ganz Paris fand darin auch das Bild seiner eigenenSchreckenszeit, und wenn es auch dem furchtbaren Rabcspierre gelang,den Verfasser jener Paraphrase, den edlen Camille Desmvulius, hin-richten zu lassen, so blieb doch dessen Wort am Leben; gleich geheim-nisvoller Saat wucherte es im Herzen des Volkes, getränkt vonMärtyrerblut schoß diese Saat um so üppiger empor, und ihre Fruchtwar der neunte Thcrmidor,
Paraphrasen deS Tacitus gehören also nicht bloß ins Gebiet derSchulstube, und dürften wohl in „politischenAnnale»" ihre Stelle finden.
(Zu den musikalischen Berichten ans Paris.)
Die erste Ausführungvon Ake^erbeers „Hugenotten".
Paris, dcu I. März 18S6.
Für die schöne Welt von Paris war gestern ein merkwürdigerTag: — die erste Vorstellung von Meycrbccrs langersehnten „Huge-notten" gab man in der Oper, und Rothschild gab seinen ersten großenBall in seinem neuen Hotel. Ich wollte von beiden Herrlichkeitenan demselben Abend genießen, und habe mich so übernommen, daßich noch wie berauscht bin, daß mir Gedanken und Bilder im Kopfetaumeln, und daß ich vor lauter Bctänbnis und Ermüdung fast nichtschreiben kann. Von Beurteilung kann gar nicht die Rede sein.„Robert le Diable" mußte man ein dntzendmal hören, ehe man indie ganze Schönheit dieses Meisterwerks eindringen konnte. Und wieKunstrichter versichern, soll Mehcrbeer in den „Hugenotten" nochgrößere Vollendung der Form, noch geistreichere Ausführung derDetails gezeigt haben. Er ist wohl der größte jetzt lebende Kontra-Punktist, der größte Künstler in der Musik; er tritt diesmal mit ganzneuen Fvrmschöpfungen hervor, er schafft neue Formen im Reiche