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12 (1898) Vermischte Schriften
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140
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I4l) Vermischte Schriften.

zarten Galanteriedegen gegen sie kämpfen könnte, und wir bedurfteneines ungeschlachten, niedersächsischcn Bauers, der das alte Schlachtfchwcrt aus der alten Zeit des Bauernkrieges wieder hervorgrub unddamit lvshieb. Herr Menzel hat vielleicht nie gefühlt, wie tief einungeschlachtes uiedersttchsisches Baucrnhcrz verwundet werden kannvvn dem freundschaftlichen Stich einer feinen, glatten, hochadligcnViper die Götter haben gewiß Herrn Menzel vor solchen Ge-fühlen bewahrt, sonst würde er die Herbheit der Vossischen Schriftennur in den Thatsachen finden und nicht in den Worten. Es magwahr sein, daß Voß in seinein protestantischen Eifer die Bilderstümmerei etwas zu weit trieb. Aber mau bedenke, daß die Kirche sehtüberall die Verbündete der Aristokratie ist und sogar hie und da vonihr besoldet wird. Die Kirche, einst die herrschende Dame, vor welcherdie Ritter ihre Knie beugten und zu deren Ehren sie mit dein ganzenOrient tnrniertcn, jene Kirche ist schwach und alt geworden, sie möchtesich jetzt eben diesen Rittern als dienende Am nie verdingen und ver-spricht mit ihren Liedern die Völker in den Schlaf zu lullen, damitman die Schlafenden leichter fesseln und scheren könne.

Unter der RubrikKunst" hänfen sich die meisten Ausfälle gegenVoß. Diese Rubrik umfaßt beinahe den ganzen zweiten Teil desMenzclschen Werkes. Die Urteile über unsere nächsten Zeitgenossenlassen wir unbesprvchen. Die Bewunderung, die der Verfasser fürJean Paul hegt, macht seinein Herzen Ehre. Ebenfalls die Begeisternng für Schiller. Auch wir nehmen daran Anteil; doch gehörenwir nicht zu denen, die durch Verglcichnng Schillers mit Goethe denWert des letzteren herabdrücken möchten. Beide Dichter sind vomersten Range, beide sind groß, vortrefflich, außerordentlich, und hegenwir etwas Vorneigung für Goethe, so entsteht sie doch nur ans demgeringfügigen Umstand, daß wir glauben, Goethe wäre imstande ge-wesen, einen ganzen Friedrich Schiller mit allen dessen Räubern,Piccolominis, Luisen, Marien und Jungfrauen zu dichten, wenn erder ausführlichen Darstellung eines solchen Dichters nebst den dazugehörigen Gedichten in seinen Werken bedurft hätte.

Wir können über die Härte und Bitterkeit, womit Herr Menzelvon Goethe spricht, nicht stark genug unser Erschrecken ausdrücken.Er sagt manch allgemein wahres Wort, das aber nicht ans Goetheangewendet werden dürfte. Beim Lesen jener Blätter, worin überGoethe gesprochen oder vielmehr abgesprochen wird, ward uns plötzlichso änglich zu Mute wie vorigen Sommer, als ein Bankier in Londonuns der Kuriosität wegen einige falsche Banknoten zeigte; wir konntendiese Papiere nicht schnell genug anS den Händen geben ans Furcht,man möchte plötzlich uns selbst als Verfertiger derselben anklagenund ohne Umstände vor Olei Unilgz? aufhängen. Erst nachdem wiran den Menzelschen Blättern über Goethe unsere schaurige Neugier