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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
138
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lös Vermischte Schriften.

Wickelung des Protestantismus im weltlichen Sinn, wie der Protestan-tismus ein geistlicher Protestantismus war. Er hat seine Partei indein gebildeten Mittelstande, während der ScrviliSmus die seinigc inder vornehmen und in der rohen Masse findet. Dieser Mittelstandschmilzt allmählich immer mehr die starren Krystallisativnen dermittelalterlichen Stände zusammen. Die ganze neuere Bildung istaus dem Liberalismus hervorgegangen oder hat ihm gedient, sie wardie Befreiung von dem kirchlichen Autoritätsglauben. Die ganzeLitteratnr ist ein Triumph des Liberalismus, denn seine Feinde so-gar müssen in seinen Waffen fechten. Alle Gelehrte, alle Dichterhaben ihm Vorschub geleistet, seinen größten Philosophen aber hater in Fichte, seineu größten Dichter in Schiller gefunden."

Unter der Rubrik Philosophie" bekennt sich Herr Menzel ganzzu Schelliug, und unter der RubrikNatur" hat er dessen Lehre,wie sich gebührt, gefeiert. Wir stimmen übereilt in dem, was erüber diesen allgemeinen Weltdenker ausspricht Görres und Steffensfinden als Schelliugsche Untcrdenkcr ebenfalls ihre Anerkennung.Erstcrer ist mit Vorliebe gewürdigt, seine Mystik etwas allzu poetischgerühmt. Doch sehen wir diesen hohen Geist immer lieber über-schätzt, als parteiisch verkleinert. Steffens wird als RepräsentantdeS Pietismus dargestellt, und die Ansichten, die der Verfasser vonMystik und Pietismus hegt, sind, wenn auch irrig, doch immer tiefsinnig, schöpferisch und großartig. Wir erwarten nicht viel Gutesvom Pietismus, obgleich Herr Menzel sich abmüht, das Beste vonihm zu prophezeien. Wir teilen die Meinung eines witzigen Mannes,der keck behauptet:Unter hundert Pietisten sind ncunnndnennzigSchurken und ein Esel." Von frömmelnden Heuchlern ist kein Heil zuerwarten, und durch Ejelsmilch wird unsere schwache Zeit auch nichtsehr erstarken. Weit eher dürfen wir Heil vom Mysticismns er-warten. In seiner jetzigen Erscheinung mag er immerhin wider-wärtig und gefährlich sein; in seineu Resultaten kann er heilsamwirken. Dadurch, daß der Mystiker sich in die Traumwelt seinerinneren Anschauung zurückzieht und in sich selbst die Quelle allerErkenntnis annimmt, dadurch ist er der Obergewalt jeder äußerenAutorität entronnen, und die orthodoxesten Mystiker haben auf dieseArt in der Tiefe ihrer Seele jene Unwahrheiten wieder gefunden,die mit den Vorschriften des positiven Glaubens im Widerspruchstehen, sie haben die Autorität der Kirche geleugnet und haben mitLeib und Leben ihre Meinung vertreten. Ein Mystiker aus derSekte der Essäer war jener Rabbi, der in sich selbst die Offenbarungdes VaterS erkannte und die Welt erlöste von der blinden Autoritätsteinerner Gesetze nnd schlauer Priester: ein Mystiker war jener-deutsche Mönch, der in seinem einsamen Gcmütc die Wahrheit ahnte,die längst aus der Kirche verschwunden war; und Mystiker werden