Die denlsche Littcraliir.
aus einem gewisse» sinnliche» Übermnte oder anS zufälligen örtlichenVeranlassungen in einen vorübergehenden Hader geraten. Sic käm-pfen vielmehr tini Ideen, und eben darum ist ihr Kampf ein all-gemeiner, im Herzen eines jeden Volkes selbst und nur insofern einesVolkes wider das andere, als bei den« einen diese, bei dem andernjene Idee daS Übergewicht behauptet. Der Kampf ist durchaus philo-sophisch geworden, so wie er früher religiös gewesen. Es ist nichtein Vaterland, nicht ein großer Mann, worüber man streitet, son-dern cS sind Überzeugungen, denen die Völker wie die Heldensich unterordnen müssen. Völker haben mit Ideen gesiegt, aber so-bald sie ihren Namen an die Stelle der Idee zu sehen gewagt, sindsie zu Schanden geworden! Helden haben durch Ideen eine Art vonWeltherrschaft erobert, aber sobald sie die Idee verlassen, sind sie in«taub gebrochen. Die Menschen haben gewechselt, nur die Ideensind bestanden. Die Geschichte war nur die Schule der Prinzipien.Das vorige Jahrhundert war reicher an voranSsichtigcn Spekula-tionen, das gegenwärtige ist reicher an Rücksichten nnd Erfahrnngs-grnndfätzen. In beiden liegen die Hebel der Begebenheiten, durchsie wird alles erklärt, was geschehen ist.
„ES giebt nur zwei Prinzips oder entgegengesetzte Pole der poli-tischen Welt, nnd an beiden Endpunkten der großen Achse habendie Parteien sich gelagert nnd bekämpfen sich mit steigender Er-bitterung. Zwar gilt nicht jedes Zeichen der Partei für jeden ihrerAnhänger, zwar wissen manche kaum, daß sie zu dieser bestimmtenPartei gehören, zwar bekämpfen sich die Glieder einer Partei unter-einander selbst, sofern sie aus ciu nnd demselben Prinzipc verschie-dene Folgerungen ziehen! im allgemeinen aber muß der subtilsteKritiker so gut wie ta- gemeine Zeitnngspublikum einen Strichziehen zwischen Liberalismus nnd Servilismus, Repnblikn-nismns und Autokratie. Welches auch die Nüancen sein mögen, jenesLllair-obsvur nnd jene bis zur Farblosigkeit gemischten Tinten, inwelche beide Hanptfarben ineinander übergehen, diese Hanptfarbenselbst verbergen sich nirgends, sie bilden den großen, den einzigenGegensatz in der Politik, nnd man sieht sie den Menschen wie denBüchern gewöhnlich auf den ersten Blick an. Wohin wir im poli-tischen Gebiete daS Auge werfen, trifft es diese Farben an. Siefüllen es ganz ans, hinter ihnen ist leerer Ranm.
„Die liberale Partei ist diejenige, die den politischen Charakterder neueren Zeit bestimmt, während die sogenannte servile Partei»och wesentlich im Charakter des Mittelalters handelt. Der Libera-lismus schreitet daher in demselben Maße fort wie die Zeit selbst,oder ist in dem Maße gehemmt, wie die Vergangenheit noch in dieGegenwart herüber dauert. Er entspricht dem Protestantismus, so-fern er gegen das Mittelalter protestiert, er ist nur eine neue Eni