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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
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Die deutsche Litteratnr. ' >138

-als betrachte er die Litteratur wie eine Vegetat'wn und da wandelter mit uns herum und botanisiert, und nennt die Bäume bei ihrenNamen, reißt Witze über die größten Eichen, riecht humoristisch ansedem Tulpenbect, küßt jede Rose, neigt sich freundlich zu einigenbefreundeten Wiescnblümchen, und schaut dabei so klug, daß wir fastglauben mochten, er höre das Gras wachsen.

Andererseits erkennen wir bei Menzel ein Streben nach Wissenschaftlichkeit, welches ebenfalls eine Tendenz unserer neuesten Zeit ist,eine jener Tendenzen, wodurch sie sich von der früheren Kunstperiodeunterscheidet. Wir haben große geistige Eroberungen gemacht, unddie Wissenschaft soll sie als unser Eigentum sichern. Diese Bedentung derselben hat sogar die Regierung in einigen deutschen Staatenanerkannt, absonderlich in Preußen, Ivo die Namen Humboldt, Hegel,Bopp, A, W, Schlegel, Schleiermacher rc, in solcher Hinsicht amschönsten glänzen. Dasselbe Streben hat sich, zumeist durch Ein-wirkung solcher deutschen Gelehrten, nach Frankreich verbreitet; auchhier erkennt man, daß alles Wissen einen Wert an und für sich, hat,daß es nicht wegen der augenblicklichen Nützlichkeit kultiviert werdensoll, sondern damit es seinen Platz finde in dem Gedankenreiche, das nur,als das beste Erbteil, den folgenden Geschlechtern überliefern werden,Herr Menzel ist mehr ein encyklvpädischcr Kopf als ein syn-thetisch wissenschaftlicher. Da ihn aber sein Wille zur Wissenschaft-lichkcit drangt, so finden wir in seinem Buche eine seltsame Ber-einigung seiner Natnranlagc mit seinem vorgefaßten Streben, DieGegenstände entsteigen daher nicht aus einem einzigen innerstenPrinzip, sie werden vielmehr nach einem geistreichen Schematismuseinzeln abgehandelt, aber doch ergänzend, so daß das Buch ein schönes,gerundetes Ganze bildet.

In dieser Hinsicht gewinnt vielleicht das Buch für das großePublikum, dem die Übersicht erleichtert wird, und das auf jeder Seiteetwas Geistreiches, Tiefgedachtes und Anziehendes findet, welches nichterst auf ein letztes Prinzip bezogen werden muß, sondern an undfür sich schon seinen vollgültigen Wert hat. Der Witz, den man inMcnzelschcn Geistesproduktcn zu suchen berechtigt ist, wird durchausnicht vermißt, er erscheint um so würdiger, da er nicht mit sich selbstkokettiert, sondern nur der Sache wiegen hervortritt obgleich sichnicht leugnen läßt .daß er Herrn Menzel oft dazu dienen muß, dieLücken seines Wissens zu stopfen, Herr Menzel ist unstreitig einerder witzigsten Schriftsteller Deutschlands, er kann seine Natnr nichtverleugnen, und möchte er auch, alle witzigen Einfälle ablehnend, ineinem steifen Pcrückentone dotieren, so überrascht ihn wenigstens derJdeenwitz, und diese Witzart, eine Verknüpfung von Gedanken, diesich noch°nie in einem Menschcnkvpfe begegnet, eine wilde Ehe zwischenScherz und Weisheit ist vorherrschend in dem Menzelscheu Www