I3Ü Vermischte Schriften.
Kommt nicht zu segnen mit dem Zweig des Frieden?.
. iWjt ihrem Schwert vergeudet sie die Volker.
Bis auch der Kampf erlischt, ein brausend MeerSchlägt an ein grausam Grab, und alles ruht.
Und hellre Tage kommen, und die VolkerUnd Kön'ge schließen einen ew'gcN Bund.
Notwendig ist die Zeit, sie muß erscheinen,
Sie ist gewiß, wie die nllmächt'ge Weisheit.
Nur durch die Kön'ge sind die Völker mächtig,
Nur durch die Völker sind die Kön'ge groß."
Nachdem wir uns über Grundidee. Diktion und Handlung derneuen Breischen Tragödie geäußert, bleibt uns noch übrig, die Ge-stalten. die wir darin handeln sehen, näher zu beleuchten. Dochdie Ökonomie dieser Blätter gestattet unS kein so kritisches Geschäft,und erlaubt uns kaum über die Hauptpersonen einige kurze Bcmerkungen hervorzubringen. Wir gebrauchen vorsätzlich das Wort..Ge-stalten", statt Charaktere, mit dem erstercu Ausdrucke das Äußere,mit dem andern das Innerliche der Erscheinung bezeichnend. Strnensee,möge uns der Dichter den harten Tadel verzeihen, ist keine Gestalt.Das Verschwimmende, Verscnfzende. llbcrweiche, was wir an ihmerblicken, soll vielleicht sein Charakter sein, wir wollen es sogar alseinen Charakter gelten lassen, aber eS raubt ihm alle äußere Gc-staltlichkeit. Dasselbe ist der Fall bei Graf Ranzau, der, mehr edelals adlig, ebenso wie Strnensee vor lauter Sentimentalität, dem Erb-gcbrcchen Beerscher Helden, nuscinanderfließt; nur wenn wir ihmins Herz leuchten, sehen wir, daß er dennoch ein Charakter ist, wennauch schwach gezeichnet, doch immer ein Charakter. Sein Haß gegendie Königin Juliane, womit er dennoch ein Bündnis gegen Strnenseeabschließt, und dergleichen Züge mehrere geben ihm Innerlichkeit,Individualität, kurz einen Charakter. Das Gesagte gilt einigermaßenauch vom Pfarrer Strnensee; dieser, den einer unserer Freunde,gewiß mit Unrecht, für ein Nachbild des Vaters im Delavigneschen„Paria" halten wollte, gewann seine äußere Gestalt vielleicht wenigerdurch den Dichter selbst, als durch die Persönlichkeit deS Darstellers.Die hohe Gestalt Eßlairs in einer solchen Rolle, nämlich als rcformierter Pfarrer, erschien uns wie ein kolossaler altknthvlischer Dom,der zum protestantischen Gottesdienste eingerichtet worden; an denWänden sind die hübschen Bilder teils abgebrochen, teils mit frischemKalk überstrichen, die Pfeiler stehen nackt und kalt, und die Worte,die so öde und nüchtern von der neugezimmcrten Kanzel erschallen,sind dennoch das Wort Gottes. So erschien uns Eßlair besondersin der Scene, wo der Pfarrer Strnensee fast im liturgischen Tomseinen Sohn segnet-