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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
129
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Struensee. 12l)

Vabc.

Und für dein Eigentum, für die Freude, daS, was du besitzest,dein nennen zu können, möchtest du nicht sorgen?

Flyns.

Ei was! wenn ein anderer für mich sorgt, ist mir's bequemer.

Schulmeister.

DaS ist der erste vernünftige Gedanke, Flyus, ans dem ich dichertappe. Mit der Freiheit kam' auch zugleich die Aufklärung, daSmoderne Gift — euer Tod.

Außer den trefflichen Andeutungen, daß die Preßfreiheit ebensogroße Gegner hat unter den niederen wie unter den hohen Ständen,und daß die Abschaffung der Leibeigenschaft den Leibeigenen selbst ammeisten verhaßt ist, außer dergleichen wahren Zügen, deren in jenerScene noch manche andere vorkommen, sehen wir deutlich, wieStruensee auf den hohen Jsolicrschcincln seiner Ideen tragisch alleinstand, und im Kampfe des einzelnen mit der Masse rettungslosuntergehen mußte. Der feine Sinn unseres Dichters hat indessendie Notwendigkeit gefühlt, den allzu großen Schmerz des Helden beieinem solchen Untergang einigermaßen zu mäßigen! er läßt ihn imGeiste die Zeit voraussehen, wo die Wohlthäter des Volkes mit demVolke selbst einig sein werden; sterbend sieht er das Morgenrot dieserZeit und spricht die schönen Worte:

„Der Tag geht auf! demütig leg' ich ihmMein Leben nieder vor dem cw'geu Thron.

Verborgner Wille tritt ans Licht und glänzt,

Und Thaten werden bleich, wie ird'scher Knminer.

Doch ein beglückter Lohn steigt blühend ans;

Hier, wo ich wirkte, reift manch' edle Saat.

So Hab' ich nicht umsonst gelebt, so Hab' ichMit falschen Lehren nicht das Reich geblendet!

Es kommt der Tag, die Zeiten machcn's wahr,

Was ich gewollt; die Tyrannei erkennt,

Daß sich das Ende ihrer Schrecken naht.

Ich seh' ein Blutgerüst sich nach dem andernErbaun, ein rasend Volk entfesselt sich,

Trifft seinen König in verruchter Wut,

Und dann sich selbst mit immer neuen Schlägen.

Geschäftig mäht das Beil die Leben nieder,

Wie ems'ge Schnitter ihre Ernte — plötzlichHemmt eine starke Hand die eh'rne Wut.

Der Henker ruht, doch die gewalt'ge HandHeine's Werte. XII. Bd. v