Striiensce.
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Haben sie vergessen, daß das Drama mit der Poesie überhaupt den-selben Zweck hat, und die Leidenschaften versöhnen, nicht aufwiegeln,menschlicher machen und nicht entmenschen soll? Haben unsere Pvclcnganz und gar vergessen, daß die Poesie in sich selbst genug Hilfs-mittel hat, um auch das alleräbgestumpfteste Publikum zu erregenund zu befriedigen, ohne Batcrmvrd und ohne Jncest?
Es ist doch jammerschade, daß unser großes Publikum so weuigversteht von der Poesie, fast ebensowenig wie unsere Poeten.
ötruensee.
Trauerspiel in fünf Aufzügen, von Michael Beer.
(Geschrieben zu München, anfangs April ISSS.)
Den 27. März wurde im hiesigen Nativnaltheater aufgeführt:„Struensee", Trauerspiel in fünf Aufzügen, von Michael Beer. Sollenwir über dieses Stück ein beurteilendes Wort aussprechen, so mußes uns erlaubt sein, zuvor auf Bcers frühere dramatische Erzeugnisseeinen kurzen Rückblick zu werfen. Nur hierdurch, indem mir einiger-maßen den Verfasser im Zusammenhang mit sich selbst betrachten,und dann die Stelle, die er in der dramatischen Litteratur einnimmt,besonders bezeichnen, gewinnen wir einen festen Maßstab, womit Lobund Tadel zu ermessen ist und seine relative Bedeutung erhält.
Jugendlich unreif, wie das Alter ihres Verfassers, war „Klytäiu-nestrn"; ihre Bewunderer gehörten zu jenen Auserlesenen, dieGrillparzers „Sappho" als das höchste Muster dieser griechischenGattung anstaunen, ihre Tadlcr gehörten teils zu solchen, die nurtadeln wollten, teils zu solchen, die wirklich recht hatten. Es ist nichtzu leugnen, in den Gestalten dieser Tragödie war nur ein äußeresScheinleben, und ihre Reden waren ebenfalls nichts als eitel Schein.Da war kein echtes Gefühl, sondern nur ein herkömmlich theatralischesAufblähen, kein begeistertes Wort, sondern nur stelzenhafteKomödianteu-hofsprache, und bis auf einige echte Veilchen war alles nur ausge-schnitzeltes Pnpierblumenwcrk. Das einzige, was sich nicht verkennenließ, war ein dramatisches Talcut, das sich unabweisbar kund gab,trotz aller angelernten Unnatur und bedauernswürdigen Mißleitnng.
- Daß der Verfasser dergleichen selbst ahnte, bewies sein zweitesTrauerspiel: „Die Bräute von Arragvnien." Hie und da glänztdarin schon eine echte Flamme, echte Leidenschaft bricht hie und dahervor, etwas Poesie ließ sich nicht abweisen, aber, obgleich schon diepapierncn Putzmacherblumen beseitigt sind und echte, organische Blumenzum Vorschein kommen, so verraten diese doch immer noch ihrenBoden, nämlich das Theater, man sieht es ihnen an, daß sie ankeinem freien Sonnenlichte, sondern au fahlen Orchesterlampcn gereift