Vermischte Schriften.
Aktes läßt er Tcisso einsperren, damit er seinen Namen nicht mehrverlästere, und in der ersten Scene des dritten Aktes sagt er, es seigeschehen ans Besvrgnis, daß nicht ans Tassos Liebeshandel mitseiner Schwester Schlimmes entstehe. Graf Tirabo ist nicht alleinein jämmerlicher Mensch, svndern auch, was der Verfasser nichtwollte, ein inkonsequenter Mensch. Lconorc von Gisellv ist ein hüb-sches Vesperglöckleiu, das in diesem Gewirre'heimlich und lieblichklingt, und leiser und immer leiser verhallt.
Schön und herrlich ist die Diklion des Verfassers. Wie trefflich,ergreifend und hinreißend ist z. B. das Nachtgespräch zwischen derPrinzessin und Tasso. Diese wehmütig weichen, schmelzend süßenKlänge ziehen uns unwiderstehlich hinab in die Traumwelt der Poesie,das Herz blutet uns aus tief geheimen Wunden — aber dieses Ver-bluten ist eine unendliche Wollust, und aus den roten Tropfensprossen leuchtende Rosen.
Tassv.
Mit tausend Augen schaut ans mich die Nacht,lind mich erfassen Zweifel: will sie leuchten,
Vielleicht auch lauschen? Hat mit solcher PrachtSie sich geschmückt, und fällt des TaueS Feuchten,
Daß sich dem Schlafe meine Glieder senken?
Prinzessin.
Hört' ich nicht Töne, die hinab sich neigten,
Als wollten sie zu meinem Herzen lenken?
Hofdame.
Fürwahr, Prinzessin, bleich verworrner Miene,
Als wollt' mit Schierlingstan die Nacht ihn tränken.
Täuscht mich's, wenn so nicht Tasso dort erschiene.
Tasso.
Welch Bild erglänzet auf der Brücke Bogen?
Mit Majestät, als ob's der Hohen diene,
Kommt nebenher ein anderes gezogen.
Schneeweiß umfließt, wie Silbernebcls Schleier,Ein Strahlenkleid die Glieder, hell umflogenDas Haupt vom Sternenchor, wie Demantfcuer.
Prinzessin.
Doch Thränentau sinkt von dem Mond hernieder,
Und trübet meiner Sterne helle Feier.
Tasso.
Dem Tau entblühen neue Blumen wieder,
Und neue Kränze wird die Nacht uns winden. — —