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12 (1898) Vermischte Schriften
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114 Vermischte Schriften,

tralischen Effekt streben, ist beider Unterschied genugsam zur Sprachegekommen und erörtert worden, DieS sündhafte Streben lag in derNatur der Sache, Der Dichter will Eindruck auf sein Publikummachen, und dieser Eindruck wird leichter durch das Theatralischeals durch das Dramatische eines Stückes hervorgebracht, GoethesTasso geht still und klanglos über die Bühne; und oft das jämmerlichstc Machwerk, worin Dialog und Handlung hölzern, und zwarvom schlechtesten Holze sind, worin aber recht viele theatralische Knall-erbsen zur rechten Zeit losplatzen, wird von der Galerie applaudiert,vom Parterre bewundert und von den Logen huldreichst aufgcuommen, — Wir können nicht laut genug und nicht oft genug denjungen Dichtern ins Ohr sagen, daß, jemehr in einem Drama daSStreben nach solchem Knalleffekt sichtbar wird, desto miserabler ist eS,Doch bekennen wir: wo natürlich und notwendig der theatralischeEffekt angebracht ist, da gehört er zu den poetischen Schönheiten einesDramas, Dies ist der Fall in vorliegender Tragödie, Nur sparsamsind theatralische Effekte darin eingewebt, doch wo sie sind, besondersam Ende des Stücks, sind sie von höchst poetischer Wirkung,

Noch mehr wird es befremden, daß wir die Beobachtung derdrei dramatischen Einheiten zu den poetischen Schönheiten eines Stücksrechnen, Einheit der Handlung nennen wir zwar durchaus not-wendig zum Wesen der Tragödie, Doch, wie wir unten sehen wer-den, giebt es eine dramatische Gattung, wo Mangel an Einheil derHandlung entschuldigt werden kann. Was aber die Einheit des Ortesund der Zeit betrifft, so werden wir zwar die Beobachtung dieserbeiden Einheiten dringend empfehlen, jedoch nicht, als ob sie zumWesen eines Dramas durchaus notwendig wären, sondern weil sieletzterem einen herrlichen Schmuck verleihen und gleichsam das Siegelder höchsten Vollendung auf die Stirne drücken. Wo aber dieserSchmuck auf Kosten größerer poetischer Schönheiten erkauft werdensoll, da möchten wir ihn weit lieber entbehren. Nichts ist daherlächerlicher, als einseitige strenge Beobachtung dieser zwei Einheitenund einseitiges strenges Verwerfen derselben, — Unser Herr Verfasjcr hat keine einzige von allen drei Einheiten beobachtet, — Nachobiger Ansicht können wir ihn nur wegen Mangel an Einheit derHandlung zur Verantwortung ziehen. Doch auch hier glauben wireine Entschuldigung für ihn zu finden.

Wir teilen die Tragödien ein in solche, wo der Hauptzweck desDichters ist, daß eine merkwürdige Begebenheit sich vor unseren Augenentfalte; in solche, wo er das Spiel bestimmter Leidenschaften unsdurchschauen lassen will, und in solche, Ivo er strebt, gewisse Charak-tere uns lebendig zu schildern. Die beiden ersteren Zwecke hatten diegriechischen Dichter, Es war ihnen meistens darum zu thun, Handlungen und Leidenschaften zu entwickeln. Der Charakterzeichnungen