Tasso? Tod. II?
Kardinäle. Prälaten, Nvbili und Offiziere füllen die Halle. MusikWirbel. Tassa erhebt sich mit Anstrengung. Constantini zn seinenFüßen, nnd begrüßt so den verherrlichten Freund. Tasso blickt er-schrvcken ans ihn nieder:
Tnssv.
So ist es wahr, und nicht hat mir's geträumt,
Ich sah dich früher schon auf meinem Wege.
Mit schwarzem Flore war dein Kleid umsäumt,
Mein Ohr vernahm der Glocken Traucrschlägc,Und geisterähnlich sprach dein Mund dies Wort:
„Torquato findet Leonoren — dort!"
Tasso stirbt sichtbar ab, spricht verzückt von Gott und Geister-liebe, sinkt hin, nnd siht als Leiche ans dem Piedestal der Bildsäuleseines großen Nebenbuhlers Ariosto. Der Beichtvater nimmt denihm überlieferten Lorbeerkranz, seht ihn ans das heilige Haupt deSErblichenen. Verhallende Musik. Der Vorhang füllt.
Nach unseren vvrangeschickten Erklärungen müssen wir seht ge-stehen, daß der Verfasser in der Behandlung seines Stoffs nur sehrunbedeutendes dramatisches Verdienst gezeigt hat. Die meisten seinerPersonen sprechen im selben Tone, fast wie in einem Marionetten-theater, wo ein Einzelner den verschiedenen Puppen seine Stimmeleiht. Fast alle führen dieselbe lyrische Sprache. Da nun der Ver-fasser ein Lyriker ist, so können wir behaupten, daß es ihm nicht ge-lungen ist, aus seiner Subjektivität gänzlich herauszutreten. Nurhier und da, besonders wenn der Herzog spricht, bemerkt man einBestreben danach. Das ist ein Fehler, dem fast kein lyrischer Dichterin seinen dramatischen Erstlingen entging. Hingegen das lebendigeIneinandergreifen des Dialogs ist dem Verfasser recht oft gelungen.Nur hier und da treffen wir Stellen, wo alles festgcfrorcn scheint,nnd wo oft Frage und Antwort an den Haaren herbeigerissen sind.Die erste Expvsitionsseene ist ganz nach der leidigen französischenArt, nämlich Unterredung der Vertrauten. Wie anders ist das beiunserem großen Muster, bei Shakespeare, wo die Exposition schon einehinreichend motivierte Handlung ist. Ein beständiges Fortschreitender Handlung fehlt ganz. Nur bis zu gewissen Punkten sieht manein solches Fortschreite». Dergleichen Punkte sind das Ende des erstennnd des vierten Aktes; jedesmal nimmt alsdann der Verfasser gleich-sam einen neuen Anlauf.
Wir gehen über zur Untersuchung despotischen Wertes des „Tasso".
Es wird manchen wunder nehmen, daß wir unter dieser Rubrikden theatralischen Effekt erwähnen. In unserer lchtcn Zeit, womeistens junge Dichter auf Kosten des Dramatischen nach dem thca -
Heiue's Werke. XII. Bd. 3