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12 (1898) Vermischte Schriften
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110
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110 Vermischte Schriften.

Doch er besann sich, fordert ihn znm Kampf,

Und zieht den Degen im Palast Ferraras,

Der Graf schützt vor deS Ortes Majestät,

Und harret sein auf dem Lenardo-Wall,

Dort wird Tasso von Tirabos Brüdern, drei hcimtiickischcn Buben,überfallen, doch er wehrt sich brav, wird aber endlich gefangen ge-nommen. Man hört den Jubel des Volkes über Tassos Sieg. DerHerzog erscheint, verwundet die Schwester durch neue Bitterkeiten,und verweist sie auf ihr Zimmer. In folgendem Monolog zeigt ersich in seiner wahren Gestalt:

Sie geht es sei! Verlier' ich ihre Gunst,

Soll der Verlust die andern mir gewinnen.

Ich bin der Herrscher hier, der Herr des Hofs,

Der Ehre Gaben spend' ich aus, versammleDer Künste Kreis großmütig, Lust und GlanzBor ganz Italien meinem Haus zu geben;

Von fernher zieht der Fürst und EdelmannUnd will der Frauen Schönheit hier bewundern,

Wovon der Ruf in allen Ländern sprach;

Und ich allein, am eignen Hofe bin ichDer letzte, unbemerkt läßt man mich gehn,

Erwärmt sich an der Fürstenwiirde Strahl,

In meiner Größe Schatten ruht sich's gut,

Doch eines Irrlichts Glänzen schaut man nach,Und einem Echo hört man seufzend zu.

Das ist der Dichter, den ich herbernfcn,

Der müßig durch das rege Leben schlendert,

Der Jagdlust Mordlnst nennt, und statt der Erde,Worauf er wächst und lebt, den Mond besieht

Er seh' sich vor, in meinem HerzogSmantelHüllt' ich ihn gnädig ein, er reißt sich los,

Zum Falle wird die Schleppe seinem Fuß!

Gras Tirabo erscheint, und zeigt dem Herzog das Mittel, wieer wieder allein glänzen könne. Dies ist die Entfernung Tassos.Man gebe ihn frei, bedeute ihm, daß die Prinzessin sich von ihm ge^wendet habe, und er wird sich von selbst entfernen. Tasso istbefreit und ergeht sich im Garten. Er hört Gnitarrentöne, undeine Stimme singt ein schmelzend üppiges Lied ans seinemNminta".Es ist die Sängerin Justina, sie will den frommen Dichter mit süßenKlängen in die Netze der Sinnenlnst verlocken. Tasso beschämt siemit ernster Rede, spricht mit losbrechender Bitterkeit und Verachtungvon den Großen des Hofs, vom Fürsten selbst. Da erscheinen der