Gedichte von Johann Baptist Rousseau. 101
Liebe" wäre sehr gut, wenn mehr Geist und weniger (daS Wort)Liebe drin wäre. Der Stoff von Theobalds „Schelm von Bergen"ist wunderschön, fast unübertrefflich; doch der Verfasser ist auf falschemWege, wenn er den Volkston durch holpernde Verse und Sprach-plnmphcit nachzuahmen sucht. Der gemiitliche Gebauer giebt uns hiervier Gedichte, recht herzig, recht hübsch. Wilhelm Smcts giebt eben-falls eine Reihe schöner Dichtungen, wovon einige gewiß seelcn-erqnickend genannt werden dürfen. Zu diesen gehören das Sonett„An Ernst von Lnssanlx" und das Gedicht „An Elisabeths Namens-tage". Nikolaus Meyers Gedichte sind recht wacker, einige ganz vor-trefflich, am allerschönsten ist das Gedicht „Licbcsweben". „DerKlausner" von Freifrau Elise von Hohenhausen ist ein sinniges, hei-teres, blühendes Gemälde, von dessen Anmut und Lieblichkeit daSGemüt des Lesers angenehm bewegt wird. Rühmliche Auszeichnungverdienen die Gedichte von Adelheid von Stvlterfvth, von SophieGeorge und von v. Knrowski-Eichen. — Der Druck des Büchleinsist recht ansprechend, das Außere desselben fast zu bescheiden undeinfach. Doch der goldene Inhalt läßt bald den Mangel des Gold-schnitts übersehen.
Gedichte von Johann Baptist Rousseau.
Crefeld, bei Funke. 1823.
Poesien für Liebe und Freundschaft.
von Demselben.
Hamm, bei Schultz und Wnndermann. 1323.
(1823.)
Die Gefühle, Gesinnungen und Ansichten des Jünglingsalterssind das Thema dieser zwei Bücher. Ob der Verfasser die Bedeutungdieses Alters völlig begriffen hat, ist nnS nicht bekannt: doch ist esunverkennbar, daß ihm die Darstellung desselben nicht mißlungenist. — Was will ein Jüngling? Was will diese wunderliche Auf-regung in seinein Gemiite? Was wollen jene verschwindenden Ge-stalten, die ihn jetzt ins Menschengewühle, und nachher wieder in dieEinsamkeit locken? Was wollen jene unbestimmten Wünsche, Ahnungen