ILO Vermischte Schriften.
machen. Doch viele Leute, worunter Referent so halb und halb auchgehört, wollen diesen Grundsatz bestreiten. Sollte Herr Naßmnnnnicht auch zu diesen Leuten gehören? Warum aber diese engbrüstigeLaune, bei einer poetischen Kunstausstellung — was doch der Musen-Almanach eigentlich sein soll — gar keine Prosa einzulassen? — In-dessen, abgesehen von allein Zufälligen und zur Form Gehörigen,muß Referent gestehen, daß ihn der Inhalt des Büchleins rechtfreundlich und innig angesprochen hat, daß ihm bei manchem Ge-dichte das Herz aufgegangen, und daß ihm bei der Lektüre des„Rheinisch-westfälischen Musen-Nlmanachs" so wohlig, heimisch undbehaglich zu Blute war, als ob er sein Leibgericht äße, rohen west-fälischen Schinken nebst einem Glase Rheinwein. Durchaus soll hiernicht angedeutet sein, als ob die im Almnnach enthaltenen west-fälischen Dichter mit westfälischem Schinken, hingegen die ebenfallsdarin enthaltenen rheinischen Dichter mit Rheinwein zu vergleichenwären. Referent kennt zu genau den kreuzbraven, echtwackeren SinndeS Kernwestfalcn, um nicht zu wissen, daß er in keinem Zweige derLitteratur seinen Nachbarn nachzustehen braucht, vbzwar er nochnicht darauf eingeübt ist, mit den litterarischcn Kastagnetten sich dnrch-zuklappern und ästhetische Maulhelden niederzuschwatzen.
Bon den siebenunddreißig Dichtern, die der Mnsen-Almanachvorführt und worunter auch einige neue Namen hervorgrüßcn, mußzuerst der Heransgeber erwähnt werden. Raßmann gehört der Formnach der neueren Schule zu; doch sein Herz gehört noch der alten Zeit an,jener guten alten Zeit, Ivo alle Dichter Deutschlands gleichsam nur einHerz hatten. Schon bei dem flüchtigen Anblick der Gegenstände der litte-rarischen ThätigkeitRaßmanns wird man innig gerührt durch seiucLiebefür fremde Arbeiten und sein emsiges Hervorsuchen des fremden Ver-dienstes slautcr altfränkische Eigenschaften, die längst ans der Modegekommen!) In den Gedichten Raßmanns, die der Musen-Almanachenthält, besonders in „Einzwängung des Frühlings", „Der Töpfernach der Heirat" und im „Armen Heinrich" finden sich ganz aus-gesprochen jene grundehrliche Gesinnung, liebreiche Betriebsamkeit undfast Hans-Sachsische Ausmalcrei. E. M. Arndts Gedicht „Die Burgdes echten Wächters" ist herzlich und jugendlich frisch. In W. v. Blom-bergs „Elegie auf die Herzogin von Weimar" sind recht schöne undanmutige Stellen. Buercns Nachtstück „Die Hexen" ist sehr an-ziehend; der Verfasser fühlt gar wohl, wieviel durch metrische Kunst-griffe erreicht werden kann, er fühlt gar wohl die Macht der Spou-deen, besonders der spondeischen Reime; doch die höhere Feinheit, dieMäßigkeit, die im Gebrauche derselben beobachtet werden muß, istihm bis jetzt noch unbekannt. In I. B. Rvusscans Gedicht „Ver-lust" weht ein zarter und doch herzinnig glühender Hauch, lieblicheWeichheit und heimlich süße Wehmut. Heitmanns Gedicht „Geist der