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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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81
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Ludwig Marcus. 81

diese verhüllten Nöten, sie müßten froh sein, daß es nvch Juden ansder Welt giebt, daß die Schweizergarde des Deismus, wie der Dichtersie genannt hat, nvch ans den Beinen steht, daß es noch ein VolkGvttes giebt. Statt sie von ihrem Glauben durch gesetzliche Be-schränkungen abtrünnig zu inachen, sollte man sie nvch durch Prämiendarin zu stärken suchen, man sollte ihnen auf Staatskosten ihreSynagogen bauen, damit sie nur hineingehen, und das Vvlk draußensich einbilden mag, es werde in der Welt noch etwas geglaubt. Hüteteuch, die Taufe unter den Juden zu befördern. Das ist eitel Wasserund trocknet leicht. Befördert vielmehr die Bcschneidnng, das ist derGlauben, eingeschnitten ins Fleisch; in den Geist läßt er sich nichtmehr einschneiden. Befördert die Ceremvnie der Dcnkricmcn, womitder Glaube festgebunden wird auf den Arm; der Staat sollte denInden gratis das Leder dazu liefern, sowie auch das Mehl zu Matze-tuchcn, »voran das gläubige Israel schon drei Jahrtausende knuspert.Fördert, beschleunigt die Emancipation, damit sie nicht zu spät kommeund überhaupt nvch Inden in der Welt antrifft, die den Glanbenihrer Väter dem Heil ihrer Kinder vorziehen. Es giebt ein Sprich-wort»Während der Weise sich besinnt, besinnt sich auch der Narr."

Die vorstehenden Betrachtungen knüpfen sich natürlich an diePerson, die ich hier zu besprechen hatte, und die, wie ich schon bemerkt,weniger durch individuelle Bedeutung, als vielmehr durch historischeund moralische Bezüge, unser Interesse in Anspruch nimmt. Ichkann auch ans eigener Anschauung nur Geringfügiges berichten überdas äußere Leben unseres Marcus, den ich zu Berlin bald aus denAugen, verlor. Wie ich hörte, war er nach Frankreich gewandert, daer trotz seines außerordentlichen Wissens und seiner hohen Sittlichkeit,dennoch in den Überbleibseln mittelalterlicher Gesetze ein Hindernisder Beförderung im Vatcrlande fand. Seine Eltern waren ge-storben und aus Großmut hatte er zum Besten seiner hilfsbedürf-tigeren Geschwister auf die Verlassenschast verzichtet. Etwa fünfzehnJahre vergingen, und ich hatte lange nichts mehr gehört, weder vonLudwig Marens, noch von der Königin von Saba, weder von Hassel-quist, noch von den beschnittenen Abessinierinnen, da trat mir einesTages der kleine Mann hier zu Paris wieder entgegen und erzähltemir, daß er unterdessen Professor in Dijon gewesen, jetzt aber einerministeriellen Unbill wegen die Professur aufgegeben habe und hierbleiben wolle, um die Hilfsquellen der Bibliothek für sein großesWerk zu beniitzcn. Wie ich von andern hörte, war ein bißchen Eigen-sinn im Spiel, und das Ministerium hatte ihm sogar vorgeschlagen,wie in Frankreich gebräuchlich, seine Stelle durch einen wohlfeiler be-soldeten Suppleantcn zu besetzen und ihm selber den größten Teilseines Gehalts zu lassen. Dagegen sträubte sich die große Seele desKleinen, er wollte nicht fremde Arbeit ausbeuten, und er ließ seinemHeinc'S Wcrkc. XU. Bd. g