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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
61
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Einleitung zur Prachtausgabe des Don Quixote. 6l

haftigkcit und Gründlichkeit wird aber gewiß die Frage aufwerfen:Sind den Interessen wahrer Kunst dergleichen Illustrationen förder-lich? Ich glaube nicht. Zwar zeigen sie, wie die geistreich und leichtschaffende Hand eines Malers die Gestalten des Dichters auffaßt undwiedergiebt; sie bieten auch für die etwaige Ermüdung durch dieLektüre eine angenehme Unterbrechung; aber sie sind ein Zeichen mehr,wie die Knnst, herabgezerrt von dem Piedestale ihrer Selbständigkeit,zur Dienerin des Luxus entwürdigt wird. Und dann ist hier fürden Künstler nicht bloß die Gelegenheit und Verführung, sondernsogar die Verpflichtung, seinen Gegenstand nur flüchtig zu berühren,ihn beileibe nicht zu erschöpfen. Die Holzschnitte in alten Bücherndienten andern Zwecken und können mit diesen Illustrationen nichtverglichen werden.

Die Illustrationen der vorliegenden Ausgabe sind nach Zeich-nungen von Tony Johannot von den ersten Holzschneidern Englandsund Frankreichs geschnitten. Sie sind, wie es schon Tony JvhannvtsName verbürgt, ebenso elegant als charakteristisch aufgefaßt und be-zeichnet; trotz der Flüchtigkeit der Behandlung sieht man, wie derKünstler in den Geist des Dichters eingedrungen ist. Sehr geistreichund phantastisch sind die Initialen und Cnls-de-Lampe erfunden,und gewiß mit tiefsinnig Poetischer Intention hat der Künstler znden Verzierungen meistens moreske Dessins gewählt. Sehen wir jadoch die Erinnerung an die heitere Manrenzeit wie einen schönenfernen Hintergrund überall im Don Quixote hervorschimmern.Tony Johannot,. einer der vortrefflichsten und bedeutendsten Künstlerin Paris, ist ein Deutscher von Geburt.

Auffallend ist eS, daß ein Buch, welches so reich an pittoreskemStoff, wie der Don Quixote, noch keinen Maler gefunden hat, derdaraus Sujets zu einer Reihe selbständiger Kunstwerke entnommenhätte. Ist der Geist des Buches etwa zu leicht und phantastisch, alsdaß nicht unter der Hand des Künstlers der bunte Farbenstaub ent-flöhe? Ich glaube nicht. Denn der Don Quixote, so leicht undphantastisch er ist, fußt auf derber, irdischer Wirklichkeit, wie das jasein mußte, um ihn zu einem Volksküche zu machen. Ist es etwa,weil hinter den Gestalten, die uns der Dichter vorführt, tiefereIdeen liegen, die der bildende Künstler nicht wiedergeben kann, sodaß er nur die äußere Erscheinung, wie saillant sie auch vielleichtsei, nicht aber den tieferen Sinn festhalten und reproduzieren könnte?Das ist wahrscheinlich der Grund. Versucht haben sich übrigensviele Künstler an Zeichnungen zum Don Quixote. Was ich vonenglischen, spanischen und früheren französischen Arbeiten dieser Artgesehen habe, war abscheulich. Was deutsche Künstler betrifft, so mußich hier an unseren großen Daniel Chodowiecki erinnern. Er hateine Reihe Darstellungen zum Don Quixote gezeichnet, die, von