Einleitung zur Prachtansgabe des Don Qnixote. 59
bar ergänzen, daß sie den eigentlichen Helden des Romans bilden,so zengen sie im gleichen Maße von dem Kunstsinn, wie von derGcistestiefe des Dichters. Wenn andere Schriftsteller, in deren Romander Held nur als einzelne Person durch die Welt zieht, zu Monologen,Briefen oder Tagebüchern ihre Zuflucht nehmen müssen, um dieGedanken und Empfindungen des Helden kundzugeben, so kannCervantes überall einen natürlichen Dialog hervortreten lassen; undindem die eine Figur immer die Rede der andern parodiert, trittdie Intention des Dichters um so sichtbarer hervor. Vielfach nach-geahmt ward seitdem die Dvppelfigur, die dem Roman des Cervanteseine so kunstvolle Natürlichkeit verleiht, und. ans deren Charakter,wie ans einem einzigen Kern, der ganze Roman mit all' seinemwilden Laubwerk, seinen duftigen Blüten, strahlenden Früchten undAffen und Wandervögeln, die sich auf den Zweigen wiegen, gleicheinem indischen Riesenbaum sich entfaltet.
Aber es märe ungerecht, hier alles auf Rechnung sklavischerNachahmung zu setzen; sie lag so nahe, die Einführung solcher zweiFiguren, wie Don Qnixote und Sauchv Pansa, wovon die eine, diepoetische, auf Abenteuer zieht, und die andere, halb aus Anhäng-lichkeit, halb aus Eigennutz, hinterdrein läuft durch Sonnenscheinund Regen, wie wir selber sie oft im Leben begegnet haben, limdieses Paar unter den verschiedenartigsten Vermummungen überallwieder zu erkennen, in der Kunst wie im Leben, muß man freilichnur das wesentliche, die geistige Signatur, nicht das zufällige ihreräußeren Erscheinung ins Auge fassen. Der Beispiele könnte ichunzählige anführen. Finden wir Don Qnixote und Sancho Pansanicht ebensogut in den Gestalten Don Juans und Leporellos, wieetwa in der Person Lord Byrons und seines Bedienten Flctcher?Erkennen wir dieselben zivei Typen und ihr Wechselvcrhnltnis nichtin der Gestalt des Ritters von Waldsee und seines Kaspar Larifariebensogut, wie in der Gestalt von so manchem Schriftsteller undseinem Buchhändler, welcher letztere die Narrheiten seines Autorswohl einsieht, aber dennoch, um reellen Vorteil daraus zu ziehen,ihn getrensain auf allen seinen idealen Irrfahrten begleitet. Undder Herr Verleger Sancho, wenn er auch manchmal nur Püffe beidiesem Geschäfte gewinnt, bleibt doch immer fett, während der edleRitter täglich immer mehr und mehr abmagert.
Aber nicht bloß unter Männern, sondern auch unter Frauen-zimmern habe ich öfters die Typen Don Quixotes und seines Schild-knappen wiedergefunden. Namentlich erinnere ich mich einer schönenEngländerin, einer schwärmerischen Blondine, die mit ihrer Freundinaus einer Londoner Mädchenpension entsprungen war und die ganzeWelt durchziehen wollte, um ein so edles Männcrherz zu suchen, wiesie es in sanften Mondscheinnttchtcn geträumt hatte. Die Freundin,