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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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56
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56 Vermischte Schriften.

Scott in den Nomon wieder das aristokratische Element zurück, alsdieses gänzlich darin erloschen war, nnd nnr prosaische Spießbürgcr-lichkcit dort ihr Wesen trieb. Durch ein entgegengesetztes Verfahrenhat Walter Scott dem Roman jenes schöne Ebenmaß wiedergegeben,welches wir im Don Quixote des Cervantes bewundern.

Ich glaube, in dieser Beziehung ist das Verdienst des zweitengroßen Dichters Englands noch nie anerkannt worden. Seine toryschenNeigungen, seine Borliebe für die Vergangenheit waren heilsam fürdie Litteratnr, für jene Meisterwerke seines Genius, die überall so-wohl Anklang als Nachahmung fanden nnd die aschgrauen Schemendes bürgerlichen RomanS in die dunkleren Winkel der Leihbiblio-theken verdrängten. Es ist ein Irrtum, wenn man Waller Scottnicht als den Begründer des sogenannten historischen Romans an-sehen will und letzteren von deutschen Anregungen herleitet. Manverkennt, daß das° Charakteristische der historischen Romane eben inder Harmonie des aristokratischen und demokratischen Elements be-steht, daß Walter Scott diese Harmonie, welche wahrend der Allein-herrschaft des demokratischen Elements gestört war, durch die Widereinsetzung des aristokratischen Elements aufs schönste herstellte, stattdaß unsere deutschen Romantiker das demokratische Element in ihrenRomanen gänzlich verleugneten nnd wieder in das aberwitzige Gleisedes Ritterrvmans, der vor Cervantes blühte, zurückkehrten. Unserde la Motte Fouqus ist nichts als ein Nachzügler jener Dichter, diedenAmadis von Gallien" nnd ähnliche Abenteuerlichkeiten zurWelt gebracht, nnd ich bewundere nicht bloß das Talent, sondernauch den Mut, womit der edle Freiherr zweihundert Jahre nach demErscheinen des Don Quixote seine Rittcrbücher geschrieben hat. Eswar eine sonderbare Periode in Deutschland, als letztere erschienennnd das Publikum daran Gefallen fand. Was bedeutete in derLitteratnr diese Vorliebe für das Rittertum und die Bilder der altenFeudalzeit? Ich glaube, das deutsche Volk wollte auf immer Abschiednehmen von dem Mittelalter; aber gerührt, wie wir es leicht sind,nahmen wir Abschied mit einem Kusse. Wir drückten zum letztenMale unsere Lippen ans die alten Leichensteine. Mancher von unsfreilich gebürdete sich dabei höchst närrisch. Ludwig Tieck, der kleineJunge der Schule, grub die toten Voreltern aus dem Grabe heraus,schaukelte ihren Sarg, als war' es eine Wiege, und mit aberwitzigkindischem Lallen sang er dabei:Schlaf, Großväterchcn, schlafe!"

Ich habe Walter Scott den zweiten großen Dichter Englandsund seine Romane Meisterwerke genannt. Aber nnr seinem Geniuswollte ich das höchste Lob erteilen. Seine Romane selbst kann ichdem großen Roman des Cervantes keineswegs gleichstellen. Dieserübertrifft ihn an epischem Geist. Cervantes war, wie ich schon er-wähnt habe, ein katholischer Dichter, und dieser Eigenschaft verdankt