Einleitung zur Prachtausgabe deS Do» Quixote. 53
König, dem seine Beförderung darin nachdrücklich empfohlen ward.Als »nn die algierischen Korsaren, die ihn ans dem mittelländischenMeere gefangen nahmen, diese Briefe sahen, hielten sie ihn für einePerson von äußerst bedeutendem Stande, und forderten deshalb einso erhöhtes Lösegeld, daß seilte Familie, trotz aller Mühen und Opfer,ihn nicht loszukaufen vermochte, und der arme Dichter dadurch destolänger und gnnlsamer in der Gefangenschaft gehalten wurde. Soward sogar die Anerkennung seiner Vvrtrcfflichkeit für ihn nur eineQuelle des Unglücks, und so bis ans Ende seiner Tage spottete seinerjenes grausame Weib, die Göttin Fortuna, die es dem Genius nieverzeiht, daß er auch ohne ihre Gönnerschaft zu Ruhm und Ehregelangen kann.
Aber ist das Unglück des Genius immer nur das Werk einesblinden Zufalls, oder entspringt es als Notwendigkeit ans seinerinnern Natur und der Natur seiner Umgebung? Tritt seine Seelein Kampf mit der Wirklichkeit, oder beginnt die rohe Wirklichkeit einenungleichen Kampf mit seiner edlen Seele?
Die Gesellschaft ist eine Republik, Wenn der einzelne empor-strebt, drängt ihn die Gesamtheit zurück durch Ridikül und Ver-lästernng. Keiner soll tugendhafter und geistreicher sein, als dieübrigen. Wer aber durch die unbeugsame Gewalt des Genius hinaus-ragt über das banale Gemeindemaß, diesen trifft der Ostraeismusder Gesellschaft, sie verfolgt ihn mit so gnadenloser Verspottung undVerleumdung, daß er sich endlich zurückziehen muß in die Einsamkeitseiner Gedanken,
Ja, die Gesellschaft ist ihrem Wesen nach republikanisch. JedeFürstlichkeit ist ihr verhaßt, die geistige ebenso sehr wie die materielle.Letztere stützt nicht selten auch die erstere mehr, als man gewöhnlichahnt. Gelangten wir doch selber zu dieser Einsicht bald nach derJnlinsrevolution, als der Geist deS Nepnblikanismns in allen ge-sellschaftlichen Verhältnissen sich kundgab. Der Lorbeer eines großenDichters war unfern Republikanern ebenso verhaßt, wie der Purpureines großen Königs, Auch die geistigen Unterschiede der Menschenwollten sie vertilgen, und indem sie alle Gedanken, die auf demTerritorium des Staates entsprossen, als bürgerliches Gemeingut be-trachteten, blieb ihnen nichts mehr übrig, als auch die Gleichheit desStils zu dekretieren. Und in der That, ein guter Stil wurde alsetwas Aristokratisches verschrieen, und vielfach hörten wir die Be-hauptung : „Der echte Demokrat schreibt wie daS Volk, herzlich, schlichtund schlecht." Den meisten Männern der Bewegung gelang diesessehr leicht; aber nicht jedem ist es gegeben, schlecht zu schreiben, zumalwenn man sich zuvor das Schönschreiben angewöhnt hatte, und dahieß es gleich: „Das ist ein Aristokrat, ein Liebhaber der Form,ein Freund der Kunst, ein Feind des Volkes," Sie meinten es